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Pflichtzölibat |
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... Die Worte Jesu an die damalige Priesterschaft liessen mich ebenfalls nicht mehr los: »Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr zieht über Land und Meer, um einen einzigen Menschen für euren Glauben zu gewinnen und wenn er gewonnen ist, dann macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, der doppelt so schlimm ist, wie ihr selbst« (Matthäus 23,15). |
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Als die von Gott geschenkte Gabe der Ehelosigkeit für all jene zur Pflicht gemacht wurde, die einen Dienst in der Gemeinde (Kirche) übernehmen wollten, brach ein endloses Elend über die Menschen dieser Kirche herein. Zur Zeit Jesu, der Apostel und auch danach, waren jene, die einen Dienst in der Gemeinde versahen, fast immer verheiratet. Das galt als selbstverständlich. Niemand hat sich daran gestossen. Es gab immer solche, die von Gott die Gabe der Ehelosigkeit geschenkt bekamen. Diese Menschen waren aber eher selten. Mann und Frau waren von Gott geschaffen. Sie sollten in ihrer Liebe zueinander Frucht bringen und somit die Schöpfung rnitgestalten. Das 2. Vatik. Konzil gibt zu, dass aus der ursprünglichen Gabe später ein Gesetz gemacht worden ist, aber es hält nach wie vor am Irrtum des Pflichtzölibates fest.
Im »Dekret über Dienst und Leben der Priester« steht folgendes geschrieben:
»Der so im Geheimnis Christi und seiner Sendung begründete Zölibat wurde zunächst den Priestern empfohlen und schliesslich in der lateinischen Kirche allen, die die heilige Weihe empfangen sollten, als Gesetz auferlegt.«1
Der röm.-kath. Zölibat kann nur von nichtchristlichen, also von heidnischen Quellen her begründet werden. Welch ein Hohn auf Jesus Christus.
»Kirchlicherseits bemüht man sich um zölibatäre Anklänge aus der Antike wie um eine Ahnenreihe alten Adels und scheut sich nicht, sie passend umzuinterpretieren. Pius XI. schreibt 1936 über den Zölibat: " Schon die alten Römer hatten das Geziemende eines solchen Verhaltens erkannt. Eines ihrer Gesetze, das folgenden Wortlaut hat: 'Man soll keusch zu den Göttern hintreten,' wurde vom grössten ihrer Redner angeführt.' Der Papst scheut sich also nicht, Cicero, den er hier zitiert, als Zölibatsprediger zu interpretieren. Er tut das, indem er die von dem Römer gemeinte Reinheit mit Zölibat und demzufolge Ehe mit Unreinheit gleichsetzt.«2
Niemand hat mehr Ehen gebrochen als die Päpste, sowohl durch ihr Leben wie durch ihre Lehren und Erlasse gegen die anfänglich normalen Priesterehen. Priester ihrerseits haben unzählige Ehen gebrochen, weil sie nicht offiziell heiraten durften und Beichtkinder ihnen unter göttlicher Androhung willfährig sein mussten.
Unter keinem anderen Stand wird die sogenannte Vielweiberei mehr praktiziert wie unter dem röm.-kath. Priesterstand. Eine traurige Tatsache, die sich heute nicht mehr leugnen lässt und die von den Amtsträgern der röm.-kath. Kirche ignoriert wird, ja im Gegenteil, man rühmt sich noch des traditionellen Pflichtzölibats als besondere Gabe Gottes an die römische Kirche.
So schreibt das 2. Vatik. Konzil:
»Die Kirche hat die vollkommene und ständige Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen, die von Christus dem Herrn empfohlen, in allen Jahrhunderten bis heute von nicht wenigen Gläubigen gern angenommen und lobenswert geübt worden ist, besonders im Hinblick auf das priesterliche Leben immer hoch eingeschätzt. Ist sie doch ein Zeichen und zugleich ein Antrieb der Hirtenliebe und ein besonderer Quell geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt.«3
Dabei weist das Konzil auf Matthäus 19,12 hin. Jesus sprach über die Ehescheidung und den Eheverzicht. Da traten seine Jünger an ihn heran mit der Frage:
»Wenn das die Stellung des Mannes in der Ehe ist, dann ist es nicht gut zu heiraten. Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht – um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.«
Hier ist nichts von Ehelosigkeit gesagt im Zusammenhang mit einem Dienst in der Gemeinde. Man müsste dieser Aussage wirklich Gewalt antun, wollte man daraus den Pflichtzölibat ableiten. Es lässt sich keine einzige Aussage Jesu und der Apostel, also nicht eine einzige Bibelstelle heranziehen, die aussagt oder befiehlt, dass irgendein Dienst in der Gemeinde (Kirche) nur durch ehelose Männer oder Frauen praktiziert werden kann. Das 2. Vatik. Konzil gibt das auch zu und lehrt:
»Zwar ist sie (Ehelosigkeit) nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert, wie die Praxis der frühesten Kirche und die Tradition der Ostkirchen zeigt, wo es neben solchen, die aus gnadenhafter Berufung zusammen mit allen Bischöfen das ehelose Leben erwählen, auch hochverdiente Priester im Ehestand gibt.«4
Mit der Anmerkung 35 weist das Konzil auf 1 Timotheus 3,2-5 und Titus 1,6 hin.
Weiter sagt das »Dekret über Dienst und Leben der Priester«:
»Durch die Jungfräulichkeit und die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen (Matthäus 19,12) werden die Priester in neuer und vorzüglicher Weise Christus geweiht.«5
Wir lesen in keiner Stelle der Bibel, dass Jesus verlangte, sich ihm zu weihen, indem man ehelos bleiben müsse, mit anderen Worten, ohne Frau sein müsse. Fast alle Apostel und Jünger Jesu waren verheiratete Männer. Eigenartig also, dass Jesus nicht unverheiratete Männer als Apostel und Jünger auserwählte. Er gibt diesen nirgends den Auftrag, ehelos zu leben. Jesus und die Apostel sprechen weder von einem Pflichtzölibat noch von einer Priesterweihe, noch von einem Amt.
Paulus verteidigt seinen Aposteldienst, indem er den Christen von Korinth schreibt:
»Haben wir etwa kein Recht eine Schwester als Frau mitzunehmen wie die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas?« (1 Korinther 9,5).
In Matthäus 8,14 ist uns berichtet, dass Jesus die Schwiegermutter des Petrus heilt:
»Jesus ging in das Haus des Petrus und sah, dass dessen Schwiegermutter im Bett lag und Fieber hatte. Da berührte er ihre Hand, und das Fieber wich von ihr. Und sie stand auf und sorgte für ihn.«
Paulus spricht von den Charismen, den sogenannten Gnadengaben, die Gott zuteilt, wie er will. Aber nirgends lehrt er, dass Ehelosigkeit für den Aufbau der christlichen Gemeinde notwendig ist. Wenn Paulus in 1 Korinther 7,25-40 die Ehelosigkeit empfiehlt, so wird sie nicht in Zusammenhang mit einem Dienst gebracht. Für ihn steht die zweite Wiederkunft Jesu nahe bevor, darin liegt auch die Begründung seiner Empfehlung für die Ehelosigkeit.
»Was die Frage der Ehelosigkeit angeht, so habe ich kein Gebot vom Herrn. Ich gebe euch nur einen Rat als einer, den der Herrn durch sein Erbarmen vertrauenswürdig gemacht hat. Ich meine, es ist gut wegen der bevorstehenden Not, ja, es ist gut für den Menschen, so zu sein. Bist du an eine Frau gebunden, suche dich nicht zu lösen bist du ohne Frau, dann suche keine. Heiratest du aber, so sündigst du nicht,. und heiratet eine Jungfrau, sündigt auch sie nicht...«
Paulus bemerkt, dass dies seine Meinung sei und er darüber kein Gebot des Herrn habe. Er schreibt in 1 Korinther 7,7:
»Ich wünschte, alle Menschen wären wie ich. Doch jeder hat seine Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so.«
Paulus befiehlt den Ältesten (Bischöfen) sogar, Mann einer Frau zu sein und dem eigenen Haus gut vorzustehen. Wir lesen in 1 Timotheus 3,1+2:
»Das Wort ist gewiss: Wenn jemand nach einem Aufseherdienst (Bischofsamt) trachtet, so begehrt er ein schönes Werk. Der Aufseher nun muss untadelig sein, Mann einer Frau ...«
Auch an Titus schreibt Paulus dasselbe:
»Deswegen liess ich dich in Kreta zurück, damit du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste (Bischöfe) anstellen solltest, wie ich dir geboten hatte, wenn jemand untadelig ist, Mann einer Frau, gläubige Kinder hat, die nicht eines ausschweifenden Lebens beschuldigt oder aufsässig sind« (Titus 1,5+6).
Priester im Alten Testament
In den alttestamentlichen Büchern Exodus (2. Buch Mose) und Levitikus (3. Buch Mose) ist die Rede von Reinheitsvorschriften. Bei bestimmten Festlichkeiten und heiligen Handlungen übten die Juden sexuelle Enthaltsamkeit, aber auch Enthaltsamkeit von der Arbeit, von Speisen usw. Vor Christus breitete sich die jüdische Essenerbewegung (Frommen) aus. Die Essener sagten sich vom Tempel und seinem Opferdienst los. Sie lebten meist ehelos in Klostergemeinschaften zusammen und mussten sich vielen Reinheitsvorschriften unterziehen. Voll Eifer in einem Leben des Gebetes, der Enthaltsamkeit und der Arbeit erwarteten sie die nahe Ankunft des Messias.
Gott, der Herr und Schöpfer des Lebens, sagt in 1 Mose 1,27:
»Gott schuf also den Menschen als sein Abbild als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.«
»Dann sprach Gott, der Herr: es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht« (1 Mose 2,18).
Die alttestamentlichen Priester und Propheten waren bis auf sehr wenige verheiratet. Aaron, Mose, Zacharias usw ... Kinder galten als Gabe Gottes und Segen. Keine Kinder zeugen und gebären können, galt als Schmach (Lukas 1,25).
 
Priester im Heidentum
Hingegen kennen wir bei heidnischen Religionen das sogenannte Jungfräulichkeitsideal z.B. Priesterinnen, Jungfrauen, die um der römischen Göttin Vesta willen unverheiratet blieben (Vestalinnen).
Ebenso ist uns die Weihe der Ehelosigkeit heidnischer Priester bekannt, sowie ihre freiwillige Entmannung als Ausdruck der Götzenhuldigung und ihres priesterlichen Götzenkultes:
»Damit sie nicht durch Geschlechtsverkehr befleckt würden, sondern reine und heilige Mittler zwischen den Menschen und dem Gott oder der Göttin sein könnten, haben sich viele heidnische Priester entmannt. Kultische Entmannung findet sich z.B. in Babylonien, im Libanon, in Phönizien, auf Cypern, in Syrien, beim Artemiskult in Ephesus, im Osiriskult in Ägypten, im phrygischen Kybele-Attiskult, der sich im Morgen- und Abendland weit verbreitete. . . «6
Als Kaiser Theodosius im 4. Jahrhundert die heidnischen Kulte verbot, wurden schrittweise viele heidnische Elemente, die in die christlichen Gemeinden – in die werdende röm.-kath. Kirche – einflossen, durch Dekrete und Bestimmungen zum Gesetz gemacht, die in der Bibel keine Rechtfertigung finden, aber heute noch im neuen römischen Kirchenrecht Gültigkeit haben. Unter anderem auch das Zölibats gesetz. Hier ein kleiner geschichtlicher Abriss.
 
Geschichte des Pflichtzölibats
Bischofssynode von Elvira/Spanien (306): Auf dieser Synode wird die Ehelosigkeit all jenen, die von Gott zu einem Dienst in der Gemeinde berufen sind, aufgezwungen. Berufung zum Dienst und Gabe der Ehelosigkeit, die zwei grundverschiedene Berufungen sein können, werden durch menschliche Entscheidungen nun mit Gewalt zu einem verschmolzen.
Das Konzil von Nizäa (325) beschliesst, dass kein Mann nach der Priesterweihe heiraten darf.
Papst Sirikus (385) bestimmt, dass Ehemänner, die vor der Priesterweihe die Ehe eingegangen sind, nach der Ordination nicht mehr mit ihren Frauen schlafen dürfen. Viele Männer hielten sich an diese kirchliche Bestimmung, suchten aber andere Frauen auf.
Die Priesterschaft lebte aus den kirchlichen Pfründen. Beim Tode eines Priesters fiel der Besitz der Familie zu und dieser wurde normalerweise unter den Kindern verteilt. Die Päpste sahen darin den Verlust von Vermögen und warfen ihre Augen auf Hab und Gut der Priesterfamilien. Viele Priester mussten ihre Frau und ihre Kinder entweder entlassen oder ein Versprechen ablegen, dass sie von nun an mit der eigenen Frau wie Bruder und Schwester zusamnleben wollten. Trotzdem heiraten viele Priester in manchen röm.-kath. Gegenden weiter.
Ist Benedikt VIII. (1023) predigt massiv gegen den Klerus, der im Konkubinat (ausserehelichem Geschlechtsleben) oder verheiratet.
Gregor VII. (1074) versucht, den Zölibat theologisch und geschichtlich zu begründen und verlangt von allen Priesteramtskandidaten die Pflicht zum Zölibat.
«Schon in der ersten Fastensynode 1074 erklärte er ... verheiratete Priester ihrer Würde verlustig und forderte die Laien auf, die kirchlichen Verrichtungen solcher Geistlichen zu meiden.«7
1. Laterankonzil, Papst Callixtus 11. (1124): Alle Klerikerehen müssen für ungültig erklärt werden. Die Männer im kirchlichen Dienst müssen ihre Frauen und Kinder wegschicken.
2. Laterankonzil, Alexander 11. (1130): Priester, Diakone und Subdiakone, die bereits verheiratet sind, haben kein Recht auf höhere Weihen, wenn sie ihre Ehe nicht aufgeben, indem sie Frau und Kinder wegschicken. Frommer Terror!
Da die geistlichen Ämter und Titel käuflich sind und viele Einnahmen versprechen, schicken viele ihre Frauen und Kinder weg ins Elend und legen sich Mätressen zu.
Innozenz VIII. (1481-1492) anerkennt als erster Papst seine unehelichen Kinder und veranstaltet für sie Hochzeitsfeiern im Vatikan. Auch er ist gegen die Ehe der Priester, da er nichts zu ihrer Erhaltung beiträgt!
Das Konzil von Trient (1545-1563) erklärt die Ehelosigkeit und die Jungfräulichkeit für höherwertig als die Ehe. Diese religionspsychologische Taktik knüpft an die heidnisch-magische Götterweihen an, für die die Volksmassen traditionsgemäss sehr anfällig sind.
Das 16. Jh. ist das Jahrhundert der Reformatoren. Im Auf des Papstes Pius V: bereist der Kardinal von Mailand, der »heilige« Karl Borromäus, 1570 die deutschsprachigen katholisch Orte der Eidgenossenschaft, um sich ein Bild von ihrem Glaubensleben machen zu können. Er rühmt vor allem ihre Frömmigkeit in der Kirche und den Hass gegen die Protestanten:
»Bemerkenswert die Ehrfurcht und Andacht, womit sie in die Kirchen gehen und stehen... Sie hegen einen besonderen Eifer für das Bekenntnis des kath. Glaubens und offene Feindschaft gegen die Ketzer (Protestanten und ihre Nachbarn, für die sie, wie wohl sie mit ihnen in weltlichen Dingen verbündet sind, doch solche Gesinnung an den Tag legen, dass sie, wo fern die geringste Unterstützung von katholischen Fürsten erhielten, keine grössere Begierde hätten, als von neuem gegen die ketzerischen Städte loszuschlagen...
Mit diesen guten Seiten sind nachfolgende Fehler verbunden, die zum guten. Teil. ihren Grund in der grossen Habsucht und Geldgier haben, die dieser Nation eigen sind... Die Gerechtigkeitspflege ist sehr käuflich unter ihnen. Sie begnügen sich nicht mit den weltlichen Dingen, sondern legen auch die Hand weitet auf die geistlichen... Der Wucher ist so häufig unter ihnen, dass sie darin nicht einmal eine Sünde sehen... Sie verbringen den grössten Teil der Zeit mit Essen und Trinken, wie es denn bei dieser Nation Brauch ist. Zwei und drei Stunden jedes Mal bei der Tafel zu sitzen... Das Leben der Priester ist unehrbar und anstosserregend, weil, ganz wenige ausgenommen, sie die Konkubine öffentlich im Hause halten... «8
Die röm.-kath. Theologin Ute Ranke-Heinemann schreibt:
»Übertretungen des Zölibats wurden häufig mit Geldstrafen belegt. Der Bischof von Konstanz, Hugo von Landenberg, bezog, wie seine protestantischen Gegner behaupteten, 1521 für sein Bistum für die jährlich etwa 1500 zur Welt kommenden Pfaffenkinder an die 6000 Gulden Strafgelder... Und so spielte die Frage der Priesterehe für die Ausbreitung der Reformation Luthers eine nicht geringe Rolle: Viele wurden Protestanten, aus Sparsamkeit, wie z.B. der katholische Pfarrer Samuel Frick aus Maienfeld, der 1515 bis 1521 für seine sieben Kinder immer pünktlich seine Gebühren an den Bischof zahlte, bis er evangelisch wurde.. .«9
»Aber es gab auch nach der Reformation noch viele katholische Priester, die sich als verheiratet betrachteten. Bischof Philipp von Worms schrieb in einem Brief an den Dekan von Wimpfen 1598: Mit Ausnahme des Dekans seien'alle geistlichen Personen mit dem schändlichen, ärgerlichen Laster des Konkubinats behaftet'. Eine Visitation 1624/25 in Osnabrück ergab, dass der grösste Teil des Klerus im Konkubinat lebte ...«10
»Die Französische Revolution erklärte 1791, dass kein Mensch gehindert werden dürfe, zu heiraten. Tausende französischer Priester schlossen die Ehe, darunter auch Bischof Talleyrand. Die Wiederbelebung des Zölibats in Frankreich ist Napoleon und seinem Konkordat mit Pius VII. im Jahre 1801 zu verdanken. Das 19. Jahrhundert sollte mit seinen Dogmen der Unbefleckten Empfängnis 1854 und der Unfehlbarkeit des Papstes 1870 neben einem papalistischen und mariologischen auch ein Jahrhundert des Zölibats werden.«11
Das 2. Vatik. Konzil (1962-1965) hält an der Verbindung von Berufung zu einem kirchlichen Dienst und Ehelosigkeit fest und sagt:
»So bittet diese heilige Synode nicht nur die Priester, sondern alle Gläubigen, sie möchten sich die kostbare Gabe des priesterlichen Zölibates ein wirkliches Anliegen sein lassen, und alle mögen Gott bitten, dass er dieses Geschenk seiner Kirche stets in Fülle zukommen lasse.«12
Papst Paul VI. (1963-1978) gewährte ab 1966 Dispensen vom Zölibat, nachdem Tausende von Priestern den Pfiichtzölibat als unchristliche Praxis aufgaben und eine Ehe eingingen. Sie verloren damit auch ihr Amt.
Johannes Paul II, seit 1978 Papst, zog die Dispensgewährung wieder zurück. Bis heute haben rund 100'000 Priester den Pflichtzölibat aufgegeben. Weltweit soll eine erschütternde Zahl aller in Amt und Würde stehenden Priester (eingeschlossen Amtsträger aller hierarchischen Stufen) im Konkubinat, in homosexuellen Beziehungen oder im sexuellen Missbrauch von Jugendlichen leben. Die Weltbischofssynode vom Oktober 1990 hat darüber auch gesprochen.
Neues Kirchenrecht (CIC) 1983: Als Geleit zum neuen Kirchenrecht schreibt Kardinal Josef Höffner zur deutschsprachigen Ausgabe:
»... will der neue CIC vom Jahre 1983 allen Gliedern des Volkes Gottes ihren Platz in der kirchlichen Rechtsordnung, ihre Rechte und Pflichten, ihre rechtlichen Möglichkeiten und die Erwartungen in ihre rechtlich geordnete Teilhabe am Aufbau des Leibes Christi und der Verwirklichung der kirchlichen Sendung klar umschreiben.«
Dieses Kirchenrecht hält im Can. 277 § 1 fest:
»Die Kleriker sind gehalten, vollkommen und immerwährende Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen zu wahren deshalb sind sie zum Zölibat verpflichtet...«
Hier spricht Kardinal Höffner von »allen Gliedern des Volkes Gottes ... ihre Rechte und Pflichten...« Ein Recht und eine Pflicht, die Gott dem Volk Gottes gegeben hat, darf keine kirchliche Institution beschneiden oder uminterpretieren durch unlautere und ungerechte Bestimmungen. Ein gotteslästerlicher Missbrauch entsteht daraus, wenn den Volksrnassen solche Gesetze als von Gottes Wort her, also von Gott her, als Pflicht gegeben, eingeprägt werden. Gott lässt seiner nicht spotten, denn das ist Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit. Zu Lüge, Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit wird Jesus Christus nie seinen Segen geben können.
Die Kirchengeschichte zeigt zur Genüge, in welch schreckliches Leid und Elend zahllose Menschen durch so falsche Lehren gestürzt wurden und wieviele heute, die solchen Irrlehren kindlich und ehrlich glauben, mit in diese Lasterhafigkeit hineingezogen werden – »im Namen Gottes«!
Weltbischofssynode in Rom 1990: Am 30. September 1990 eröffnete Papst Johannes Paul II. im Vatikan mit einer Messe eine einmonatige Weltbischofssynode. Die Bischöfe und Kardinäle befassten sich mit der Ausbildung von Geistlichen in den heutigen Zeitverhältnissen, mit dem herrschenden Priestermangel und dem Zölibat. Der Tradition verpflichtet besannen sich die .römischen Bischöfe auf ihr »Ideal«. Die Resultate waren denn auch entsprechend. Die Unterscheidung von einem Dienst in der Gemeinde als Berufung von Christus her und der Gabe der Ehelosigkeit ist nicht geschehen. Ein permanentes Schauspiel vor der Welt hat sich vollzogen. Der Mut zur Wahrheit fehlt!
Paulus schreibt den Christen von Rom:
»Der Zorn Gottes wird vom Himmel herab offenbart wider alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. Denn was man von Gott erkennen kann, ist ihnen offenbar,' Gott hat es ihnen offenbart« (Römer 1,18+19).
Den Christen von Ephesus schreibt er:
»Niemand täusche euch mit leeren Worten: All das zieht auf die Ungehorsamen den Zorn Gottes herab« (Epheser 5,6).
Gottes Wort ungehorsam zu sein ist Götzendienst. »Denn das sollt ihr wissen: kein unzüchtiger, schamloser oder habgieriger Mensch – das heisst kein Götzendiener – erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes« (Epheser 5,5).
 
Auswirkungen des Pflichtzölibats
Im Laufe meines Theologiesmdiums sprach ich mit manchen Priestern auch über den Zölibat. Ich war der festen Überzeugung, dass durch die Weihe, die der Bischof durch die Handauflegung vornehmen würde, auch die Gnade und Gabe der völligen Enthaltsamkeit auf sexuellem Gebiet übermittelt würde. Denn ich glaubte, dass die Berufung zu meinem priesterlichen Dienst von Gott her mit der Ehelosigkeit verknüpft sei. Ich dachte darüber nicht gross nach denn ich glaubte unter ehelosen Männern und hörte immer wieder von ihrer Hingabe an Gott und der besonderen Liebe Gottes und der Mutter Gottes zu den Ehelosen, vor allem zu jener Zeit, als ich im Kloster Gott suchte.
Manche mögen sich über meine Naivität lustig machen. Aber wenn man von Jugend auf in den Priestern und Ordensleuten Vermittler des Heils sieht, wie kann man bloss eine solche, in Seele und Leib eingegangene, unheilige Tradition in Frage stellen? Stellte jemand diese Ehelosigkeit des Priesters in Frage, sahen wir darin den teuflischen Angriff auf das Heiligste, das Gott befohlen hatte. Im Klerus und in den Ordensleuten sahen wir die Vollkommenen. Sie waren darum eine Klasse der Besseren, der Berufenen, der Auserwählten. Sie waren jene, die das Heil in den Sakramenten vermittelten, jene, auf die wir alle angewiesen waren, um gerettet zu werden. Aufgrund der Lehre von den beiden Weltprinzipien, dem Guten (geistigen) und dem Bösen (materiellen), lehnt die röm.-kath. Kirche die Ehe für die Berufenen, die Auserwählten ab. Die Frau ist Sinnbild des Bösen. Mit ihr zusammen sein, sie lieben, ist schmutzig. Einzig die »keusche Mutter Gottes« darf ein vollkommener Mann ergötzlich lieben. Darum zählt neben den beiden bedingungslosen Weihegelübden der Armut und des Gehorsams dem Oberen gegenüber auch das Gelübde der bedingungslosen Keuschheit.
Infolge der antiken und manichäistischen (Heilslehre Manis im 3. Jh.) Einflüsse wurde die Ehe abgewertet und die Jungfräulichkeit überbetont. Augustinus war eine Zeitlang Anhänger der Lehre Manis. Er prägte die röm.-kath. Denkweise über Ehe und Ehelosigkeit ganz massiv, nachdem er die Mutter seines Sohnes in die Wüste geschickt hatte. Eheleute mussten nach dem ehelichen Einssein zuerst beichten, bevor sie kommunizieren durften.
Maria wurde Jungfräulichkeit zugesprochen, auch nach der Geburt ihrer anderen Kinder. Viele Männer und Frauen wollten – irregeführt – dem Jungfräulichkeitsideal Marias folgen und auf die Ehe verzichten. Aus diesem unbiblischen und unchristlichen Jungfräulichkeitsideal heraus wurde von ehelosen Männern ein Muttergotteskult heraufbeschworen, der in unvorstellbaren Exzessen des Götzendienstes, in den vielfältigsten Lehren und Kulten dieser Kirchenmänner ausgedrückt und peinlichst gepflegt und ständig weiterentwickelt wird.
 
Die Himmelskönigin der röm.-kath. Kirche ist nicht die verehrungswürdige Mutter jesu in der Bibel
Photo Ave-Kurier : " Maria Mediatrix-Zeitschrift im Dienste Mariens" n°11/12/1990 p.1
In der Tradition der röm.-kath. Kirche ist eine Frau das abscheulichste Wesen, das existiert. Der fanatische, absurde Muttergotteskult der unbefleckten Himmelskönigin in der röm.-kath. Kirche, der mit Maria, der Mutter Jesu nichts zu tun hat, bildet den fraulichen Ersatz!
Der »heilige« Odo (878-942), Abt von Cluny, der als grosser Klosterreformer gilt, schreibt:
»Wenn die Menschen das, was unter der Haut steckt, sehen könnten ..., würde es nur Erbrechen verursachen, Weiber anzuschauen... Da wir nicht einmal mit den äussersten Fingerspitzen Schleim und Kot anrühren mögen, warum begehren wir so eifrig das Schmutzgefass (!) selbst zu umfassen.«13
Der berühmteste Kirchenlehrer der römischen Kirche, Thomas von Aquin (†1274), der engelgleiche Lehrer, sagt:
»'Das Weib verhält sich zum Mann wie das Unvollkommene und Defekte (imperfectum, deficiens) zum Vollkommenen (perfectum).' Die Frau ist körperlich minderwertiger und geistig, wobei ihre geistige Minderwertigkeit aus der körperlichen resultiert, genauer aus ihrem'Feuchtigkeitsüberschuss' und ihrer, Untertemperatur'. Sie ist geradezu ein Missgriff der Natur, eine Art 'verstümmelter',' verfehlter','misslungener' Mann (Femina est mas occasionatus) – eine schon auf Aristoteles zurückgehende, von Thomas häufig wiederholte und dann von seinen Schülern übernommene Schmähung.«14
Papst Pius II. (1458-1464) lehrt:
»Wenn du eine Frau siehst, denke, es sei der Teufel, sie ist eine Art Hölle.«15
Wie uns viele Berichte von Frauen, die heute mit einem Priester in sexueller Verbindung leben, bestätigen, erleben vor allem solche Frauen schwere Zeiten der Einsamkeit und der Not. Das ständige Versteckspiel und die Angst um das Bekanntwerden ihrer Situation und die Folge, dass ihr Liebhaber vom bischöflichen Ordinariat versetzt werden könnte, bringen diese Frauen in manche Bedrängnis. Aus dieser Zwiespältigkeit heraus, in der natürlich auch der Priester drinsteht, entpuppen sich die meisten Priester als egoistische Liebhaber, denen die Frau sehr oft nur zu bestimmten Zeiten willfahrig sein muss. Es ist eine lange, traditionelle Art der Vergewaltigung, die durch die in Glaubens- und Sittenfragen unfehlbaren Gesetze des Vatikans prächtig gefördert wird.
Die Zahl solcher Zitate liesse sich durch die ganze Kirchengeschichte leicht fortsetzen. Durch den Zölibatszwang für die Priester stellt sich die römische Kirche auch heute diesen Zitaten unter, darum bleibt all ihr heutiges Reden um die Rechte der Frau ein elegantes Schauspiel!
Die Synode von Tyrnau (1611) lehrt:
»Alle Bosheit ist klein gegen die Bosheit des Weibes. Besser ist die Gottlosigkeit des Mannes als ein wohltuendes Weib.«16
Seit einigen Jahrzehnten nun kann das Volk die Bibel – nicht die Schulbibel – lesen und persönlich – wie die Gläubigen von Beröa (lies Apostelgeschichte 17,10-15) – nachprüfen, was der Wahrheit entspricht und was nicht. So müssen auch viele römische Katholiken die Erfahrung machen, dass Maria nach Jesus noch mehrere Kinder geboren hatte. Bei Ordensleuten, vor allem bei Mönchen, kann diese Feststellung eine unvorstellbare Krise auslösen.
»Paul VI. betete am 25. Oktober 1969 in der Basilika Maria Maggiore zu Maria: 'Lehre uns das, was wir schon kennen und demütig und gläubig bekennen rein zu sein, wie du bist keusch zu sein, d.h. treu zu dieser gewaltigen und erhabenen Pflicht, die unser heiliger Zölibat ist heute, da der Zölibat von so vielen diskutiert und von einigen nicht mehr verstanden wird.'« 17
In der letzten Zeit begegneten mir zwei Ordensschwestern, die bekannten, dass sie allein wegen der Jungfräulichkeit der Muttergottes als Bräute Christi ins Kloster gegangen seien. Seitdem sie nun das Wort Gottes und das Zeugnis der Apostel lesen, seien sie in eine tiefe Krise gefallen. Der Sinn ihrer Berufung sei ihnen abhanden gekommen. Sie fragen sich heute, weswegen sich ihre religiösen Vorgesetzten nicht an Gottes Wort halten und sich den Fabeln von Menschen hingeben!
Wir sehen bei diesen Schwestern und vielen anderen, dass alle Lehren, die nicht auf Gottes Wort fussen, früher oder später sehr viel Unheil anrichten. Weder Gott noch den Menschen ist damit gedient.
Deschner schreibt in seinem Buch »Das Kreuz mit der Kirche«: »Rom wollte herrschen, dazu brauchte es blinde Werkzeuge, willenlose Sklaven, und diese fand es in einem ehelosen Clerus, der durch kein Familienband an Vaterland und König geknüpft war, dessen Haupt-, ja sogar einzige Pflicht in unbedingtem Gehorsam gegen Rom bestand.«18
Am 19. Juni 1977 ordinierte mich Bischof Adam zusammen mit meinem Studienkollegen, Peter Zurbriggen, zum Priester. Für mich war es auch der Tag der Primiz (lateinisch: Erstlingsopfer). Abgesehen davon, dass Bischof Adam, der zu diesem Zeitpunkt krank war, vergass, uns beiden das Keuschheitsgelübde abzunehmen, war ich fest entschlossen, den Zölibat einzuhalten und um alles in der Welt zu verteidigen. Die drei Gelübde der bedingungslosen Keuscheit, der Armut und des Gehorsams den Oberen gegenüber, die ich durch die Anwesenheit des ganzen Volkes auch bekundete, wollte ich in totaler Hingabe leben. Daran gab es nichts zu rütteln, denn das war für mich Gottes Wille.
Dieses Ja hielt ich auch ein, bis ich eines Tages, wie Petrus und Johannes vor dem priesterlichen Rat, im bischöflichen Palais von Sion bekennen musste:
»Ob es vor Gott recht ist, auf euch mehr zu hören als auf Gott, urteilt selbst« (Apostelgeschichte 4,19).
Was mein priesterliches Zölibats versprechen angeht, darf ich bekennen, dass ich in all meinen Priesterjahren ein einziges Mal in eine schwere Versuchung geraten bin – Anfechtungen gab es wohl immer wieder! Diese Versuchung hätte zum Bruch der Priesterweihe führen können. Ich bin davon überzeugt, hätte ich damals den Zölibat gebrochen, hätte ich mich der Öffentlichkeit unumwunden gestellt, denn dieses Doppelleben hätte ich vor Gott und den Menschen nicht verantworten können. Ich hätte der Pfarrei ganz sachlich und offen meine Not geklagt und sie um ihr Gebet für mich eingeladen.
Kaum war ich zum Priester geweiht, trat ich meine erste Dienststelle als Vikar in Zermatt an. Zermatt als Weltkurort mit seinen vielen Erholungsmöglichkeiten ist für manche Priester und Ordensleute ein gern gesuchter Aufenthaltsort. Früher sollen sich die geistlichen Gäste beim Ortspfarrer angemeldet haben. Seit einigen Jahren halten sich manche doch lieber anonym auf, um nicht auch noch während der Ferienzeit von der Ortsgeistlichkeit mit kirchlichen Aufgaben betraut zu werden.
In manchen Touristenorten sind die Beichtstühle mehr als antiquarische Artikel, die heute als Hausbars neue Villen schmücken. In den Beichtstühlen und bei Beichtgesprächen begegnete ich als Priester einer tiefsitzenden priesterlichen Not. Anfangs hielt ich die Einsamkeit und sexuelle Not so vieler Priester mit all ihren Folgen nicht für möglich. Mit Ratschlägen versuchte ich die Betreffenden jeweils anzuhalten, vermehrt zu beten und unerlaubte Beziehungen radikal abzubrechen, denn wenn sie es ehrlich probieren würden, müssten sie doch mit Gottes Hilfe die Kraft aufbringen, diese oder jene schwere Sünde abzubrechen.
Ich dachte mir immer, diese Priester oder Ordensleute haben zu wenig Glauben und verurteilte sie oft in meinem Herzen. Von Jahr zu Jahr erwachte in mir ein tiefes Mitleiden über die Qualen mancher Brüder und Schwestern. Diese Menschen entpuppten sich meistens als feine Menschen, die trotz ihrer Kasteiungen und Busswerke nicht vorwärts kamen. Die Angst, entdeckt oder vom Partner verraten zu werden und der Öffentlichkeit als Pfarrer im Dorf in Ungnade zu fallen, treibt manche von ihnen in schwere Sünden. Abtreibungen sind nicht selten der verzweifelte Ausweg. Homosexuelle Beziehungen, vor allem auch mit Jugendlichen, treiben manche Priester in grosse seelische Nöte.
Andere Priester bekannten mir offen:
»Der Zölibat ist von Gott her nicht mit dem Priesterstand verknüpft. Der Pflichtzölibat ist Satzung der Kirche, darum sehe ich nicht ein, warum ich nicht intime Beziehungen mit Menschen pflegen soll.« Wieder andere sagten: »Jesus und die Apostel kannten weder den Pflichtzölibat noch das Amt eines Priesters, unsere Kirche kann sich bei beiden nicht auf Christus berufen, darum brauche ich mich auch nicht an den Zölibat zu halten!«
Sie fühlen sich im klerikalen Sonderstatus besonders wohl – denn es stimmt für sie fast alles!
Als sich solche Beichten oder Beichtgespräche wiederholten, konnte ich mir einfach nicht mehr vorstellen, dass Gott die Menschen in ein solches Elend hineinmanövrieren konnte.
In den Anfangsjahren meines priesterlichen Wirkens suchte ich einmal, total erschöpft im Kampf gegen die Selbstbefriedigung, bei einem Priestermönch Rat und Segen. Dieser sagte mir, ich solle mich über die Kraft, die der Schöpfer in mich gelegt habe, freuen. Die Selbstbefriedigung sei ein Beweis meiner gesunden Männlichkeit. Ich erhoffte mir durch das gemeinsame Gebet und die Absolution Befreiung, aber was der Pater mir da sagte, versetzte mich in eine tiefe Wut. Ich fragte mich, was haben wir denn für einen Gott, der uns trotz aller Busswerke, aller Beichten und aller Hilferufe nicht hört und befreit?
Ist das ganze Zeug der Ehelosigkeit vielleicht ein Betrug, denn wenn ich mich der Schöpferkraft Gottes in mir freuen soll, dann muss doch der Mensch hier auch schöpferisch mitbauen können? Ich betete und rang weiter vor dem Herrn, denn mit einer unsauberen, unklaren oder halbherzigen Antwort in diesen Fragen konnte ich mich nicht begnügen, davor ekelte mir.
Es kam die Zeit, da ich einer noch unbeschreiblicheren Not von Priestern begegnen sollte. Es ist die Sünde der Sodomie (widernatürlichen Unzucht mit Tieren).
Für mich brach eine religiöse Welt zusammen, als ich aus verzweifelten Herzen eine solche Not im Beichtstuhl anhörte. Entsetzen und Übelkeit befiehlen mich, Erschütterung und Schlaflosigkeit plagten mich. Tiere können nicht reden! Zerstörte Leben, die einmal zu einer gesunden Ehe fähig gewesen wären, aber durch die »unfehlbaren« Gesetze der Kirche zu allen frommen Lastern verführt, in den seelischen Bankrott gestürzt worden sind!
Ich musste hören, dass die Sünde des Inzestes und der Sodomie unter dem röm.-kath. Klerus eine lange Tradition kennt!
Die Worte Jesu an die damalige Priesterschaft liessen mich ebenfalls nicht mehr los:
»Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr zieht über Land und Meer, um einen einzigen Menschen für euren Glauben zu gewinnen und wenn er gewonnen ist, dann macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, der doppelt so schlimm ist, wie ihr selbst« (Matthäus 23,15).
In einer dieser Nächte verstand ich plötzlich all jene Priester oder Ordensleute, die den Zölibat aufgegeben hatten oder für die Aufhebung des Pftichtzölibates kämpften. Bis dahin sah ich in ihnen Menschen, die mit ihren Problemen nicht fertig werden, weil sie zu wenig gegen das sexuelle Lustempfinden ankämpften und zu wenig die innerliche Gemeinschaft mit dem Herrn pflegten und zu viel vor dem Fernseher sassen.
Ich schwor, in meinem Leben gründlich über bestimmte Lehren des Vatikans nachzuforschen. Vermehrt fing ich an, Bibel und Lehren der Kirche miteinander zu vergleichen und zu prüfen. Ich las die unter den Aufgaben des Priester gehörenden Texte des 2. Vatik. Konzils noch einmal durch. Im 2. Kapitel zum Thema »der priesterliche Dienst« las ich unter Nr. 4+5:
»Das Volk Gottes wird an erster Stelle geeint durch das Wort des lebendigen Gottes, das man mit Recht vom Priester verlangt... Die Priester schulden also allen, Anteil zu geben an der Wahrheit des Evangeliums, deren sie sich im Herrn erfreuen. Niemals sollen sie ihre eigenen Gedanken vortragen, sondern immer Gottes Wort lehren und alle eindringlich zur Umkehr und Heiligung bewegen... Die priesterliche Verkündigung ist aber in den gegenwärtigen Zeitumständen nicht selten ausserordentlich schwer. Um Geist und Herz der Zuhörer zu erreichen, darf man Gottes Wort nicht nur allgemein und abstrakt darlegen, sondern muss die ewige Wahrheit des Evangeliums auf die konkreten Lebensverhältnisse anwenden.. .«19
Dann las ich im »Dekret über das Laienapostolat«, Kapitell Nr. 4:
»Nur im Licht des Glaubens und in der betenden Versenkung in Gottes Wort wird es möglich, immer und überall Gott zu erkennen, in dem, wir leben, uns bewegen und sind'(Apg 17,28).«20
Diese Weisungen wollte ich bereitwillig beherzigen!
Sollte mir die Heilige Schrift den Beweis erbringen, dass Jesus seine Apostel und Jünger nicht verpflichtet hatte, ehelos zu bleiben oder ihre Ehen aufzulösen, um ihm folgen zu können, würde das für mich schwerwiegende Konsequenzen zur Folge haben. Dann könnte ich so etwas unter keinen Umständen mehr unterstützen, ich müsste meine röm.-kath. Mitgliedschaft in Frage stellen, denn ich würde mich vor Gott schuldig machen und am Elend so vieler Menschen mitverantwortlich sein.
 
Lehre von Dämonen?
Nebst zahllosen geschichtlichen Fakten – ich betone zahllosen! – fand ich in der Bibel unter manchen Aussagen auch I Timotheus 4,1-3. Was Paulus, der grosse Apostel, unverheiratet oder Witwer, über das Verbot der Ehe um 60 n.Chr. in Rom schreibt, ging mir durch Mark und Bein:
»Der Geist sagt ausdrücklich: In späteren Zeiten werden manche vom Glauben abfallen,. sie werden sich betrügerischen Geistern und den Lehren von Dämonen zuwenden, getäuscht von heuchlerischen Lügnern, deren Gewissen gebranntmarkt ist. Sie verbieten die Heirat...«
Für mich wurde es von Monat zu Monat unerträglicher, in einer Kirche Priester zu sein, deren Obrigkeit Lehren von Dämonen – dem Erzfeind Jesu, dem Zerstörer des Lebens – den Lehren Gottes vorzieht. Wie ist es möglich, dass man uns seit Jahrhunderten und von Kindesbeinen an einen solchen Irrtum mit seinen entsetzlichsten Folgen als Wille Gottes in Blut und Seele einjagt? Wieviele Lehren dieser Kirche entsprachen wohl nicht dem Willen Gottes? Ich fing vermehrt an, nach der Wahrheit in der Bibel zu suchen und Gottes Wille zu tun.
Je mehr ich in der Schrift las, zeigte mir Gott die Widersprüche zwischen den Lehren des Vatikans und der Lehre der Apostel auf. Von den ersten Christen ist in der Apostelgeschichte 2,42 gesagt:
»Sie verharrten in der Lehre der Apostel.«
Johannes schreibt in seinem zweiten Brief:
»Jeder, der darüber hinausgeht und nicht in der Lehre Christi bleibt, hat Gott nicht. Wer aber in der Lehre bleibt, hat den Vater und den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und nicht diese Lehre mitbringt, dann nehmt ihn nicht in euer Haus auf, sondern verweigert ihm den Gruss. Denn wer ihm den Gruss bietet, macht sich mitschuldig an seinen bösen Taten« (2 Johannes 9-11).
Als Pfarrer habe ich in Gesprächen mit Theologiestudenten erfahren müssen, dass noch heute Seminaristen in der Überzeugung leben, dass Gott durch Gebet und Handauflegung des Bischofs bei der Priesterweihe die sexuellen Probleme in Schranken setzt. Er müsse doch dies bewirken, da er doch die Ehelosigkeit der Priester wolle. Auch sie sind der Überzeugung, dass das Verbot zu heiraten, von Gott kommt.
Das neue Kirchenrecht stellt sich in Can. 247 § 1 gegen Gottes Wort und hält fest:
»Auf die Einhaltung des zölibatären Standes sind sie durch eine entsprechende Erziehung vorzubereiten sie haben zu lernen, ihn als eine besondere Gabe Gottes in Ehren zu halten.«
Das 2. Vatik. Konzil hält in der »Konstitution über die Kirche«, Kapitel 5 Nr. 42, fest:
»Diese vollkommene Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen wurde von der Kirche immer besonders in Ehren gehalten, als Zeichen und Antrieb für die Liebe und als eine besondere Quelle geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt. «21
Eine besondere Gabe Gottes kann man nie zu lernen aufzwingen. Ein Christ kann sich einer Gabe Gottes erfreuen und sie in den Dienst an der Gemeinde einsetzen. Dabei muss er wissen, dass ihm diese Gabe für die Gemeinde gegeben ist und nicht für sich selbst. Darum kann eine Gabe nie aufgezwungen werden. Das ist religiöser Wahn!
In der Unterwalliser Tageszeitung »Nouvelliste«, 23. Jahrgang, Nr. 241, S. 48 lese ich am 17. Oktober 1990 auf S. 48:
»Zwei verheiratete Männer in 2 brasilianischen Diözesen sind mit dem Einverständnis des Papstes zu Priestern ordiniert worden...
Der Kardinal Lorscheider erklärt, dass diese zwei Priester die Weihe empfangen haben, unter der Bedingung, dass sie mit ihren Frauen wie Bruder und Schwester leben.'«
Ein Beispiel, wie die röm.-kath. Volksmassen vom Vatikan her irregeführt werden, zeigt die »Schweizerische Katholische Wochenzeitung« in ihrer Ausgabe Nr. 42, S. 9 vom 19. Oktober 1990 auf. Zum Thema: »Waren die Apostel verheiratet?« gibt die Zeitung unverfroren entgegen Jesus und der Lehre und Praxis der Apostel und auch entgegen den Aussagen des 2. Vatik. Konzils als »Zusammenfassung« wieder:
»Das NT gibt keine Anhaltspunkte, dass ein einziger Apostel verheiratet war. Der Verzicht auf die Ehe gehört zu den Verzichten, die Jesus von jenen Männern forderte, die sich seinem Jüngerkreis anschliessen wollen (Mt 19,27-30). Jesus verlangt da die Totalhingabe und machte den freiwilligen Zölibat zur Pflicht. Die Kirche bemühte sich von früh an, in diesem Geist weiterzufahren.«
Dieses kirchliche System braucht unsere Gebete und unser klares und ungeteiltes Ja zu Jesus Christus und seinem Wort. Ich glaube, dass Herdenbriefe der römischen Katholiken zur Aufhebung des Zölibats gesetzes wie ein Tropfen auf einen heissen Stein sind. Denn die römischen Katholiken müssen in ihrem Denken und Handeln zu Gott umkehren und Busse tun. In der Hingabe an Jesus Christus und in der Zuwendung zu seinem Wort vollzieht sich eine Busse, die ihre Frucht im Hinausschaffen aller Sonder- und Irrlehren zeitigt. Alles andere ist Täuschung und Theater. Das verdient Jesus Christus nicht!
Die Päpste und die Prälaten sind den Dogmen, Ämtern, Würden und Titel verpflichtet und können nicht umkehren, um das Gesicht vor der Welt nicht zu verlieren. So müssen immer neue Synoden einberufen werden, und es muss ständig an diesem Übel, das in der Welt herrscht, herumgebastelt werden, um in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, dass man sich ernsthaft mit diesen Problemen auseinandersetzt. Es wird sich aber dabei nie Grundsätzliches verändern können. Jesus sagt:
»Wenn ich nicht gekommen wäre und nicht zu ihnen gesprochen hätte, wären sie ohne Sünde,. jetzt aber haben sie keine Entschuldigung für ihre Sünde« (Johannes 15,22).
Mit Erlaubniss - EP - 11/2002
Note
[1] Rahner-Vorgrimler: Konzilskompendium, Herder, S. 589
[2] Ranke-Heinemann: Eunuchen für das Himmelreich, Hoffmann und Campe 1988, S. 105-106
[3] Rahner- Vorgrimmler, a.a.O., S. 588
[4] Ebd., S. 588
[5] Ebd., S. 588-589
[6] Ranke-Heinemann, a.a.O., S. 105
[7] Müller: Illustrierte Weltgeschichte, Benziger, S. 97
[8] Carlo Borromeo, Visitation 1570 im Auftrag Pius V.
[9] Ranke-Heinemann, a.a.O., S. 120
[10] Ebd., S. 121
[11] Ebd., S. 122
[12] Rahner-Vorgrimler, a.a.O., S. 590
[13] Deschner: Das Kreuz mit der Kirche, Heyne 1986, S. 205
[14] Ebd., S. 210-211
[15] Ebd., S. 205
[16] Ebd., S. 205
[17] Ranke-Heinemann, a.a.O" S. 123
[18], Deschner, a.a.O., S. 155, Zitat eines katholischen Geistlichen (anonym) aus dem 19. Jahrhundert
[19] Rahner- Vorgrimler, a.a.O., S. 565-566
[20] Ebd., S. 393
[21] Ebd., S. 175
 
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