Kirchenrecht contra Gottesrecht


 


Gottes Absicht, sein Wille, ist uns in der Bibel geoffenbart, gegeben. Wer ist denn ein Christ, ein Jünger Jesu? Wohl jener, der sich an Jesus Christus und an sein Wort hält und dessen Willen tut! Sagt Jesus nicht in Johannes 8,31+32:

»Wenn ihr in meinem Wort ! bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien.«

Jesus mahnt uns eindringlich im Zusammenhang vom Ende der Welt und dem Gericht in Matthäus 24,35:

»Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.«

Jesus sagt zur Gemeinde in Philadelphia:

»... und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet« (Offenbarung 3,8).

Der Unglaube der religiösen Juden machte Jesus schwer zu schaffen. Sie lehnten Jesus wegen seiner Worte ab, wegen dem, was er lehrte:

»Wir steinigen dich nicht wegen eines Werkes, sondern wegen Gotteslästerung,´ denn du bist nur ein Menschen und machst dich selbst zu Gott« (Johannes 10,33).

Sie lehnten sowohl seine göttliche Autorität ab wie auch sein Wort, denn Jesus und sein Wort (Lehre) sind nicht voneinander zu trennen. In Johannes 1,1 lesen wir:

»Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.«

Diese Einheit ist in Johannes 1,14 klar ausgedrückt:

»Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.«

Der Respekt gegenüber Jesus Christus und seinem Wort, wie auch die christlichen Zeugen aus der Kirchengeschichte, veranlassten mich, die Bibel über alle religiösen Meinungen und Behauptungen von Menschen zu stellen. Jesus sagt in der ersten Auseinandersetzung mit den religiösen Juden:

»Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter. Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage« (Johannes 12,48).

 

top Die alte Schulbibel

Wenn wir mit römischen Katholiken, die vor dem 2. Vatik. Konzil Religionsunterricht erhielten, reden, dann sprechen sie meistens von »unserer Bibel«. Als ich Priester war und auch heute sagen mir Leute immer wieder,

»unsere Bibel war noch etwas ganz anderes als eure moderne Bibel. Die Bibel, die ihr heute lest und verteilt, ist sicher die protestantische Bibel. Da muss man vorsichtig sein, weil da so viele Sachen geschrieben stehen, die in unserer alten katholischen Bibel nicht drinstanden und dem, was Jesus und die Apostel im Katechismus lehren, widerspricht.«

Oder auch:

»Im Katechismus ist uns die ganze Wahrheit Gottes gelehrt worden. Wir haben genug von alledem. Wehe dem, der eine Katechismusfrage nicht auswendig beantworten konnte, der wurde vom Pfarrer oder vom Kaplan hart bestraft – oft auch körperlich – genug davon! Lassen sie uns in Ruhe mit der Bibel, wir haben den Katechismus buchstäblich auswendig gelernt!«

Was wollen viele Katholiken damit sagen?

Sie beziehen sich auf ihre alte Schulbibel. In diesen Schulbibeln war kaum 1/4 der gesamten Bibel enthalten, sowohl aus dem Alten wie aus dem Neuen Testament. Sie sind wirklich der Meinung, ihre alte Schulbibel sei die einzig richtige und vollständige Bibel gewesen.

Obwohl die röm.-kath. Kirche heute mehr denn je die Bedeutung der Bibel betont, so zählen bei ihr vor allem die religiösen, menschlichen Überlieferungen. Sie nehmen einen grossen Raum im Leben eines römischen Katholiken ein. Das beweisen sowohl die Lehre wie auch die Praxis.

Der römische Katholik ist der Meinung, dass Gott einmal durch Jesus Christus gesprochen hat, aber dann fortwährend durch den jeweiligen Papst, der für sie Gottes Sprachrohr ist und das neueste an Lehren und Dogmen offenbart. Diese gelten dann als direkter, jeweils letzter Wille Gottes. Da nach Auffassung der Päpste der jeweilige Papst durch Gottes Privileg in Glaubens- und Sittenfragen unfehlbar ist, weil Gott durch ihn spricht, konnte und kann ja auch ein Papst nie irren. Denn würde sich ein Papst jemals geirrt haben, dann hiesse das, Gott hat sich geirrt! So glauben die meisten Mitglieder der römischen Kirche und sie sind auch dazu verpflichtet, dass jedes Dogma und jede Lehre verbindlich, ja sogar heilsnotwendig ist. Folgerichtig verbietet die röm.-kath. Tradition – auf jeden Fall – eine Umkehr zu Jesus und zu seinem Wort. Damit heisst Ökumene, ihr müsst lernen zu glauben, was wir lehren. Es müssten so viele Dogmen und Lehren gestrichen werden, um eine Umkehr zu Jesus aufzeigen zu können. Damit aber würde ja bestätigt, dass der Gott der röm.-kath. Kirche sich ständig geirrt hat und ein masslos launiger Kerl ist, obwohl diese Tatsache heute – durch die vielen sich widersprechenden Lehren der Päpste – den meisten Menschen im Lichte der Bibel offensichtlich vor Augen liegt.

Die Bibel – Gottes Wort – fristet also ein Schattendasein neben ! dem Riesen, der da heisst »Kirchengesetz« oder »Kirchenrecht«, sowohl in der Lehre wie in der Praxis. In der röm.-kath. Kirche ist ! nicht die Bibel das geoffenbarte Recht Gottes, einziges und oberstes Prinzip. Lehre und Praxis beweisen, dass Gottes Recht dem Kirchenrecht dienen muss. Dabei geht es nicht um die Auslegung der Bibel. Vom Kirchenrecht leitet Rom den Katechismus ab – nicht von der Bibel her. Was von der Bibel her gebraucht werden kann, um die menschlichen Satzungen zu untermauern, wird meistens respektlos und auf widergöttliche Weise missbraucht, alles andere lässt man weg. Darum darf dem röm.-kath. Volke die Bibel auch nicht in ihrer ganzen Aussage zugänglich gemacht werden, das meiste wird durch theologische Erklärungen um seinen Inhalt gebracht, uminterpretiert.

In der Schulbibel erschienen nur bestimmte Texte, damit ja keiner auf die permanenten Widersprüche stossen würde. Verständlicherweise haben heute unzählige Katholiken Mühe, die Bibel als höchste und einzige Norm, als das Reden Gottes anzunehmen.

Der Kontakt zwischen dem Volk und dem Wort Gottes wurde von der römischen Obrigkeit durch die Jahrhunderte hindurch ständig durchschnitten, durch eine sehr eigenwillige Auslegung, durch Bibelverbote und grausame, blutige Verfolgungen. Die grausame Ausrottung derer, die Gottes Wort verkündeten, die systematischen Bibelverbote und die ketzerischen Verleumdungen gegen jene Menschen zeitigen heute ihre Früchte auf erschreckende Weise. So ist das fruchtbringende Interesse für Gottes Wort unter den römischen Katholiken weitgehend tot. Darum suchen Millionen römischer Katholiken heute Zuflucht bei verschiedensten okkulten Sekten. Weil sie den Gott der Bibel nicht kennen und die römische Kirche sie mit ihren Lehren davon abhält, suchen sie Boden und Heimat in allen möglichen Gemeinschaften. Die Auswirkungen sind verheerend. Viele Suchende, die anfangen, nach dem Worte Gottes zu forschen, finden in christlichen Gemeinden das Wort Gottes und damit Sinn und Ziel für Leben und Ewigkeit.

 

top Was ist denn die Bibel?

Das Wort »Bibel« kommt vom griechischen Wort »biblos« oder biblion, was soviel heisst wie Buch. 39 Schriften des Alten und 27 Schriften des Neuen Testamentes machen die Bibel aus. Die 39 Schriften des Alten Testamentes sind jene, die vor Christi Geburt den Juden als Kanon, als heilige Richtschnur des Glaubens von Gott gegeben waren. 400 Jahre vor Christi Geburt stand dieser jüdische, hebräische Kanon fest. Maria, Josef, Johannes der Täufer, die Apostel und die Jünger, Frauen und Männer, die Jesus folgten, lernten anband dieser alttestamentlichen hebräischen Schriften (AT) Gott kennen, Jesus erwarten, annehmen und erfahren.

Die röm.-kath. Kirche hat später dem hebräischen Kanon 7 weitere Bücher aus dem hellenistischen Judentum hinzugefügt, die sogenannten »Apokryphen«. Das griechische Wort »apokryph« bedeutet verborgen. In unserem Sprachgebrauch bezeichnet es legendäre Schriften, die den Eindruck erwecken, zur Heiligen Schrift zu gehören, weil sie diese nachahmen. Diese apokryphen Bücher sind nicht inspiriert, d.h. nicht vom Heiligen Geist als den Menschen verbindlich und heilsnotwendig gegeben, aber diese Schriften sind erbaulich und tröstlich.

Diese sind: Judith, Tobit, Weisheit, Jesus Sirach, Baruch und die beiden Makkabäerbücher. Weder Jesus noch die Apostel zitieren im Neuen Testament aus den apokryphen Schriften.

Die röm.-kath. Priester, die als Reformatoren im 16. Jh. weitgehend den Weg zurück zur Bibel bahnten, haben diese 7 Bücher wieder aus dem Kanon entfernt. Die römische Kirche braucht diese legendären Bücher, um das Gebet für die Toten zu rechtfertigen denn sie kann sich einzig auf eine apokryphe Stelle beziehen, nämlich 2 Makkabäer 12,45.

Zum Kanon (Richtschnur) des Neuen Testamentes gehören 27 Schriften, die in allen Bibeln enthalten sind:

»Um 180 Entstehung des Kanons des NT. Sammlung der ntl. Schriften weitgehend abgeschlossen.«1

Gegen Ende des 1. Jh. stellen wir folgendes fest:

»Neben den – später – im NT gesammelten Schriften Entstehung und Verbreitung zahlloser apokrypher Evangelien, Apostelgeschichten und Apokalypsen z.B.: ÄgypterEv, PetrusEv, ThomasEv Petrusakten, Paulusakten, Johannesakten, Thomasakten Offenbarung Petrus, Offenbarung Paulus.«2

Die echten Schriften, die heute im NT enthalten sind, wurden von den apokryphen (unechten) oder von denen der apostolischen Väter (jenen, die direkt nach den Aposteln geschrieben haben), klar unterschieden. Diese echten Schriften nennen die Christen Kanon (Richtschnur). Die ersten Christen kannten ja keine schriftliche Sammlung des Neuen Testamentes, so wie wir es heute vor uns haben. Sie hatten dies auch nicht nötig. Sie hatten Jesus persönlich erlebt und sein Heil an Leib und Seele erfahren. Nach dem Tod und der Auferstehung Jesu, als der Pfingsttag gekommen war, gingen sie erfüllt vom Heiligen Geist hinaus und machten die Menschen zu Jüngern –

  »und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe« (Matthäus 28,20).

 

top Göttliche Inspiration!

Inspiration wird hergeleitet vom lateinischen Wort inspirare = anhauchen und heisst »das von Gott Geoffenbarte«. Alles, was die Heilige Schrift enthält, ist unter Gottes Geist und Führung aufgezeichnet worden. Darin ist die ganze und volle Wahrheit den Menschen geoffenbart. Die Heilige Schrift ist darum das unfehlbare Reden Gottes für uns – unfehlbar! Sie ist für die Menschen Kanon (göttliche Richtschnur). Es gibt keine neue Wahrheit und auch keine neuen Wahrheiten mehr, damit aber auch keine neuen Lehren zu glauben.

Neue Wahrheiten und neue Lehren verkünden heisst, sich über Gott stellen. Darum kennen Sekten neben der Bibel ihre Sonder- und Irrlehren, die als Wahrheiten zu glauben und heilsnotwendig sind.

Die Propheten Gottes haben nichts mit Wahrsagerei zu tun. Ein Wahrsagergeist sagt auch Wahres voraus, aber er dient und gehorcht nicht Gott, sondern dem Teufel und seinem Reich. Ein typisches Beispiel davon erleben Paulus und Silas in der Stadt Philippi. Lukas erzählt uns:

»Als wir einmal auf dem Weg zur Gebetsstätte waren, begegnete uns eine Magd, die einen Wahrsagergeist hatte und mit der Wahrsagerei ihren Herren grossen Gewinn einbrachte. Sie lief Paulus und uns nach und schrie: Diese Menschen sind Diener des höchsten Gottes,. sie verkünden euch den Weg des Heils. Das tat sie viele Tage lang. Da wurde Paulus ärgerlich, wandte sich um und sagte zu dem Geist: Ich befehle dir im Namen Jesu Christi: Verlass diese Frau! Und im gleichen Augenblick verliess er sie.
Als aber ihre Herren sahen, dass sie keinen Gewinn mehr erwarten konnten, ergriffen sie Paulus und Silas, schleppten sie auf den Markt vor die Stadtbehörden ...« (Apostelgeschichte 16,16-19).

Diese Frau war inspiriert, sagte Wahres aus, aber der Geist, der in ihr wohnte, war nicht Gottes Geist. Wo nicht Gottes Geist ist und gesucht wird, da ist der Geist Satans am Werk, der Menschen durch Begebenheiten, die der Wahrheit so ähnlich sind, an sich bindet. Das erstaunt viele römische Katholiken. Denn unter vielen römischen Priestern, auch in höchsten Rängen, ist man der Überzeugung, dass alles, was gut tut, von Gott sein muss. So suchen sehr viele Mitglieder der römischen Kirche Menschen mit einem Wahrsagergeist auf. Sie gehen bedenkenlos zu Wahrsagern, zu Hellsehern, zu Kartenlegern, Astrologen, Spiritisten, Handlesern usw ... Sie stürzen sich und ihre Angehörigen so in ein unheilvolles Leben hinein, liefern sich und die Ihren oft unbewusst der Satanswelt aus, der sie bis hin in den Selbstmord treiben kann. Wenn das ganze noch einen kirchlich-offiziellen Charakter besitzt, welcher gewöhnliche römische Katholik sollte an die negativen Folgen denken können! Das zeigen auch römische Klöster und Wallfahrtsorte.

Wir sprechen auch von Inspiration Gottes, wenn Menschen durch die Gabe der Prophetie reden. Sie verkünden keine neuen Lehren, sondern sprechen Zukünftiges aus oder Ermahnung, Trost, Ermutigungen usw ... Trifft das Gesagte in Zukunft auch ein oder wird jemand während der Gebetsversammlung dadurch direkt angesprochen, sprechen wir auch von Inspiration, insofern das Ausgesprochene dem Wort Gottes nicht widerspricht und die Gemeinde aufbaut.

Mose sagt uns, was Gott ihm darüber offenbarte in 5 Mose 18,20-22. Zuerst warnt er vor Zauberei und Wahrsagerei und kündigt dann den echten Propheten an. Unter anderem sagt er:

»Doch ein Prophet, der sich anmasst, in meinem Namen ein Wort zu verkünden, dessen Verkündigung ich ihm nicht aufgetragen habe, oder der im Namen anderer Götter spricht, ein solcher Prophet soll sterben. Und wenn du denkst: woran können wir ein Wort erkennen, das der Herr nicht gesprochen hat?, dann sollst du wissen: Wenn ein Prophet im Namen des Herrn spricht und sein Wort sich nicht erfüllt und nicht eintrifft, dann ist es ein Wort, das nicht der Herr gesprochen hat. Der Prophet hat sich nur angemasst, es zu sprechen. Du sollst dich dadurch nicht aus der Fassung bringen lassen.«

Darum unterscheidet sich sowohl Gottes Reden in der Bibel als grundlegendes, endgültiges Reden für damals, heute und in Ewigkeit, wie auch das prophetische Reden in Gebetsversammlungen von der Wahrsagerei. In der Wahrsagerei reden andere Geister. Selbst dann, wenn diese Menschen während ihres Dienstes eine Bibel aufstellen, ein Kreuz aufrichten, Weihwasser benutzen und den Rosenkranz festhalten, bleibt ihr Reden Zauberei, auch wenn sie Wahres sprechen. Gottes Geist braucht weder geweihte Gegenstände und Mittel noch geweihte Personen, um Weissagung kundzutun. Einzig die Treue des Redenden zu Gottes Wort und die Offenheit für das Wirken Gottes sind vor Gott massgebend.

Gott sagt darum in seinem Wort:

»Ich bin der Herr ..., der das Wirken der Zauberer vereitelt und die Wahrsager zu Narren macht, der die Weisen zum Rückzug zwingt und ihre Klugheit als Dummheit entlarvt, der das Wort seiner Knechte erfüllt und den Plan ausführt, den seine Boten verkünden« (Jesaja 44,24-26).

 

top Die vielen Bibelausgaben

Ein römischer Katholik ist meistens zuerst mal verwirrt über die vielen Bibelausgaben. Er vermutet darin sofort das Wirken von Sekten. Das allein genügt ihm manchmal schon, sich nicht auf die Bibel einzulassen. Er ist sogar erstaunt, dass es verschiedene Bibelformate gibt, dickere, dünnere usw. Das kann in ihm Misstrauen auslösen. Meistens weiss er zuerst nicht, dass es sich hier bei den verschiedenen Bibelausgaben um ein und dieselbe Bibel handelt. »Die Bibel im heutigen Deutsch« und die »Gute Nachricht« etwa umschreiben gewisse Aussagen der Bibel, so dass sie gelegentlich vom ursprünglichen Sinn etwas abweichen. Die röm.-kath. Theologen müssen Interpretationen entsprechend ihrer Dogmen einbringen, um nicht im Widerspruch zur Tradition und ihrer lehramtlichen Obrigkeit zu gelangen. Die evangelischen Bibelausgaben dürfen sich hier an die Auslegungen der Schrift selbst halten, denn die Schrift interpretiert sich selbst.

 

top Mündliche Überlieferung (Tradition)

Die mündliche Überlieferung nimmt in der röm.-kath. Kirche mehr Autorität und Wert ein als die Bibel. Die mündliche Überlieferung ist das, was neben der Lehre Jesu und der Apostel im Laufe der Jahrhunderte an neuen Offenbarungen, Lehren und Dogmen, Schritt für Schritt, dazugekommen ist. Also mit mündlicher Überlieferung oder Tradition ist nicht eine Bibelauslegung oder ein Bibelkommentar gemeint, sondern spezielle Lehren neben der Bibel.

Das neben dem inspirierten Wort Gottes, der Bibel (Kanon), gegebene und zu glaubende Gut nennt man Sonder- oder Irrlehren. Für die röm.-kath. Kirche, die Zeugen Jehovas, die Mormonen (Heiligen der letzten Tage), die Neuapostolische Kirche u.a.m. sind solche Sonder- und Irrlehren meistens auch heilsnotwendig, d.h. alle Mitglieder müssen diese Sonder- oder Irrlehren glauben und nachvollziehen, um gerettet zu werden.

Solche Kirchen erheben den Absolutheitsanspruch, d.h. sie lehren, dass man nur aufgrund ihrer Lehren gerettet werden kann, wobei sie die Bibel wohl gebrauchen und gerne zitieren, aber das Hauptgewicht auf ihre Lehren legen. Sie behaupten sogar, dass die Bibel bei ihnen den Hauptplatz einnimmt, aber wer sich mit der Bibel und den Lehrfragen dieser Gemeinschaften und Kirchen auseinandersetzt, stellt bald einmal fest, dass es ihnen vor allem um die eigenen Lehren geht.

 

top Das Gesetzbuch der rörn. -kath. Kirche

Im Gesetzbuch, dem sogenannten Kirchenrecht oder lateinisch »Codex Iuris Canonici« legt die röm.-kath. Kirche alles dar, was für ihre Mitglieder bindend und zum Heile notwendig ist. Joseph Kardinal Höffner schreibt im Geleitwort der deutschen Ausgabe:

»Der Codex Iuris Canonici, das vom 1. Adventssonntag 1983 an verbindliche Gesetzbuch der lateinischen Kirche, trägt ebenso nach der Art seiner Entstehung wie seinem Inhalt nach den Geist des II. Vatikanischen Konzils in sich. Das betont Papst Johannes Paul II. in der dem Gesetzbuch vorangestellten Apostolischen Konstitution `Sacra Disciplinae Leges´.«3

Das alte Gesetzbuch von 1917 wurde überarbeitet und 1983 neu herausgegeben. Dieses Gesetzbuch ist in der römischen Kirche, in Lehre und Praxis wichtiger als Gottes Wort, die Bibel. Es enthält 1752 Gesetze, Gebote, Verbote und Bestimmungen mit vielen Unterabteilungen. Der Grossteil des Inhalts besteht aus mündlichen Überlieferungen, Satzungen von Päpsten, Philosophen und Theologen, die mit der Bibel nicht übereinstimmen oder der Bibel ganz klar und krass entgegenstehen obwohl die Bibel womöglich zitiert wird, um bestimmte Lehren zu rechtfertigen. Verhältnismässig wenig Lehren stimmen aber mit dem Wort Gottes überein.

Papst Johannes Paul II. schreibt zu diesem Gesetzbuch:

»Wir ermahnen daher alle geliebten Söhne und Töchter, die gegebenen Vorschriften aufrichtigen Herzens und guten Willens zu erfüllen, in der zuversichtlichen Hoffnung, dass die lebendige Disziplin der Kirche wieder erstarke und so auch das Heil der Seelen immer mehr unter den Schutz der Allerseligsten Jungfrau Maria, der Mutter der Kirche gefördert werde.«4

Die gekürzte Schulbibel und der alte Katechismus waren eine Frucht des früheren Gesetzbuches.

 

top Katechismus

Das eigentliche röm.-kath. Lehrbuch für Schüler und Erwachsene war der katholische Katechismus. Als Kinder erhielten wir diesen Katechismus in die Hand gedrückt. Wie sehr die Lehre Jesu und der Apostel durch Zusätze und menschliche Satzungen vermischt und entkräftet worden war, zeigt der Inhalt des Katechismus unmissverständlich auf. Schon die Einleitung des Bischofs zum Katechismus, der 1955 herausgegeben worden war, wirkt verwirrend.

Der Bischof schreibt:

»Liebe Kinder! Euer Bischof, den Gott als Ir: Lehrer der Wahrheit aufgestellt hat, gibt euch dieses Buch in die t Hand. In ihm findet ihr die Lehre, die unsere heilige katholische Kirche im Auftrag Gottes in der ganzen Welt verkündet. Der Katechismus ist ein überaus wichtiges Buch 'denn er zeigt euch den Weg zu Gott, eurem himmlischen Vater.

In diesem Buch tritt Christus, der Sohn Gottes, vor euch hin, unser Heiland und Erlöser, unser Herr und Meister. Er sagt von sich `Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch mich´ (Johannes 14,6). `Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wandelt nicht im Finstern, sondern hat das Licht des Lebens´ (Johannes 8,12).
In seinem Namen übergebe ich euch den Katechismus. Nehmt ihn gern zur Hand! Lest aufmerksam darin, lernt eifrig, denkt über alles nach und bewahrt es in eurem Herzen! Vor allem aber lebt danach! Dann wird Christus, `der Herr, immer in euch leben, und ihr werdet freudig mit ihm den Weg zum Vater gehen. EUER BISCHOF.«5

Dieser Katechismus leitete sich vom alten Gesetzbuch (Kirchenrecht) von 1917 ab und nicht von der Bibel, obwohl laufend Bibel stellen zitiert werden – aber nur insoweit sie sich als nützlich erweisen, um eine Lehre glaubhaft zu machen. Demnächst wird ein, neuer römischer Katechismus für alle Mitglieder der römischen Kirche verbindlich herauskommen. Auch dieser neue Katechismus wird sich vorwiegend vom Kirchenrecht herleiten lassen müssen und nicht allein von Gottes Wort. Diese Vermischung von menschlichen Geboten und Gottes Geboten wird wieder dazu beitragen, dass einer grossen Zahl von römischen Katholiken der Heilsweg Jesu verborgen bleiben wird. Das stimmt Millionen Christen auf der ganzen Erde traurig.

 

top Die Kirchenväter und die Bibel

Kirchenväter, die noch in Kontakt mit den direkten Jüngern Jesu waren, und einige danach wussten, dass die kanonischen Schriften, die im heutigen Neuen Testament enthalten sind, göttliche Autorität besitzen, und dass ihre Schriften diesen nicht gleich zu setzen sind. Diese Unterscheidung war im 2. Jh. vorhanden. Diese heilige, göttliche Überlieferung war ihnen wichtig im Unterschied zu anderen religiösen Schriften und Überlieferungen. Der Leser möge mit demütigem und offenem Herzen lesen, was diese Kirchenväter über die Bibel schreiben! Das Lesen und Forschen aller in den Heiligen Schriften wurde der Lehre der Apostel gemäss ! selbstverständlich von den Kirchenvätern empfohlen! Hier einige Zeugen.

»... vor allem wollen wir der Worte des Herrn Jesus gedenken, die er sprach als Lehrer der Sanftmut und Langmut ...«6 »Die Apostel empfingen die frohe Botschaft für uns vom Herrn Jesus Christus ...«7

»Ihr habt euch in die heiligen Schriften, die wahren und durch den Heiligen Geist gegebenen, vertieft. Ihr wisst, dass darin nichts Unrechtes und Gefälschtes geschrieben steht.«8

»Ihr kennt ja die Heiligen Schriften und kennt sie gut, Geliebte, habt euch in die Aussprüche Gottes vertieft. Damit ihr euch also erinnert, schreiben wir dieses.«9

»Wenn nun die, die dem Fleische nach solches verübten, dem Tode verfielen, wieviel mehr (trifft dies ein), wenn man den Glauben Gottes, für den Jesus Christus gekreuzigt wurde, durch schlimme Lehre verdirbt. Ein solcher ist ein Schmutzfink und wird in das unauslöschliche Feuer wandern, ebenso auch, wer auf ihn hört ..:«10

»Wenn einer in fremdartiger Lehre wandelt, der stimmt mit den Leiden (Christi) nicht überein.«11

Irenäus schrieb von " Polykarp, dass er Gemeinschaft mit dem Apostel Johannes und mit den übrigen hatte, die mit dem Herrn zusammen waren. Irenäus betont, dass Polykarp in allem im Einklang mit den Schriften lehrte. Polykarp schreibt den Christen von Philippi:

»Verlassen wir darum die Eitelkeit der Menge und die falschen Lehren und wenden wir uns dem Worte zu, das uns seit Anbeginn überliefert ist ...«12

»Ich habe nämlich das Vertrauen, dass ihr in den heiligen Schriften wohl bewandert seid, und nichts euch entgeht.«13

»Mit mehreren Jüngern aber verbrachte er aber vierzig Tage in Galilaea, einer Gegend von Judaea, und lehrte sie, was sie lehren sollten.«14

»Gott gab uns die Schrift, damit wir vollkommener und nachdrücklicher sowohl ihn selbst als seinen Willen kennenlernen.«15

»Wollte Gott, wir erfüllten alle, was geschrieben steht. `Forschet in der Heiligen Schrift!´ – Wir wünschen, dass ihr euch ernstlich bemühet, nicht allein in der Kirche das Wort Gottes zu hören, sondern euch auch in euren Häusern darin übet und das Gesetz des Herrn Tag und Nacht betrachtet denn da ist Christus, und allenthalben ist er dem nahe, der ihn suchet.«16

»Gott selber bezeugt, dass man verpflichtet ist, das in die Tat umzusetzen, was geschrieben ist. Wenn wir dies im Evangelium vorgeschrieben oder in den Briefen oder in der Apostelgeschichte enthalten finden, so soll man dies als göttliche und heilige Überlieferung beobachten.«17

»Die Schrift `ist die einzige Quelle des Heils sie allein lehrt uns die Zucht evangelischer Frömmigkeit. Niemand füge etwas dazu bei, und niemand nehme etwas davon weg´. `Die heilige und göttlich inspirierte Schrift genügt uns vollauf, um uns die Wahrheit bekannt zu machen´. ` Wenn sie ein neues Zitat wollen, wenn sie etwas behaupten wollen, das über das Geschriebene hinausgeht, warum streiten sie dann mit uns, die wir entschlossen sind, nichts anzuhören oder zu sagen, das über das hinausgeht, was geschrieben ist?´«18

»Die Gewissheit unseres Glaubens hängt nicht am Kunstwerk unserer Sprache, sondern am Zeugnis der göttlichen Schriften.«19

»Ihr glaubt, das Lesen der Heiligen Schrift gehöre nur für die Mönche, da es doch viel mehr euch noch mehr nötig ist als ihnen. Denn die in freier Welt leben und denen es an täglichen Wunden nicht fehlt, bedürfen am meisten der Heilung desto schlimmer und unverantwortlicher ist es, zu glauben, die heiligen Schriften seien unnütz... denn so etwas kann nur vom Bösen ersonnen werden. Hörst du nicht Paulus sprechen: Zu unserer Belehrung ist alles geschrieben, und du willst nicht einmal das Evangelium berühren, wenn es auch deinen, jawohl ungewaschenen Händen übergeben wird!... Warum verachtest du also die heiligen Schriften? Das sind Gesinnungen vom Teufel, der verhindern will, dass wir in den Schatz hineinsehen und den reichen Nutzen erlangen.«20

»Ich beschwöre euch, dass ihr die Schrift befragt, ohne euch irgendwie beim Urteil der anderen aufzuhalten.«21

»Du sollst sehr fleissig die heiligen Schriften lesen, ja, sie sollen fast niemals aus deinen Händen kommen.«22

»Die kanonischen Bücher übermitteln uns die Lehre des Geistes wenn die Konzilien etwas dagegen aufstellen, erachte ich dies als Frevel.«23

»Es wäre gottlos von uns, wenn wir das nicht lesen wollten, was um unseretwillen geschrieben ist.« – »Trachtet unter Gottes Beistand aus allen Kräften danach, dass die Heilige Schrift in euren Haushaltungen fleissig gelesen werde.«24

»Wenn die katholischen Bischöfe etwas denken, das den kanonischen Schriften Gottes zuwiderläuft, braucht man nicht zu denken wie sie.«25

»Was ist die Heilige Schrift anderes als ein Sendschreiben des allmächtigen Gottes an seine Geschöpfe? Wenn ein irdischer König an euch schriebe, so würdet ihr nicht ruhen und euch keinen Schlaf gönnen, bis ihr sein Schreiben gelesen. Nun hat der Herr des Himmels und der Erde einen für dein Leben wichtigen Brief geschrieben, und du solltest nicht begierig sein, denselben zu lesen?«26

Vielleicht verstehen wir jetzt besser, warum jährlich Hunderttausende, wenn nicht Millionen, der römischen Obrigkeit den Rükken kehren. Aufrichtige Katholiken können wahrlich nicht mehr begreifen, wie diese Kirchenväter als Heilige regelmässig angerufen werden, sei es in den Gottesdiensten, an den Wallfahrtsorten oder am Karsamstag bei der Allerheiligenlitanei, wenn wir das genaue Gegenteil von dem tun und leben, was sie uns über die Heilige Schrift sagen und befehlen!

 

top Bibelverbot – Der Kampf um das Wort Gottes

Der Kampf zwischen der Heilige Schrift, dem inspirierten, bleibenden Wort Gottes (Kanon) und den menschlichen Satzungen flammte von Jahrhundert zu Jahrhundert mehr und mehr auf, als die kirchlichen Obrigkeiten ihr widergöttliches Leben und Lehren durch eigene Lehren und neue Dogmen zu rechtfertigen versuchten und damit die Bibel ins Abseits drängten. Die röm.-kath. Kirche setzte sich nun immer mehr von der Lehre Jesu und der Apostel, ebenso von den Aussagen der Kirchenväter, über die Bibel, ab. Systematisch wurde das Volk von Christus und seinem Evangelium entfremdet. Die Bibel, das Gesetzbuch Gottes für die Menschen, wurde weitgehend durch eigene Satzungen ersetzt. Von Jahrhundert zu Jahrhundert nahmen die kirchlichen Lehren zu, heute sind es 1752 Satzungen. Die Bibel wird nur dort zitiert, wo sie solche Bestimmungen untermauern kann. Wo Gottes Wort das Gegenteillehrt, wird sie einfach ignoriert, übergangen oder mit einer Sonderauslegung versehen. Stattdessen versucht man mit schönen, hochheiligen, menschlichen Erklärungen dem Volk die traditionellen Meinungen als heilsnotwendiges Reden Gottes einzuprägen.

Die Päpste teilten in ihren Absichten, die Welt zu beherrschen, die Menschheit systematisch in zwei Klassen ein. Die erste, gehobene Klasse entwickelte sich zum sogenannten Klerikerstand der Geweihten oder Eingeweihten. Den zweiten Stand bildeten die Nichtgeweihten, die Laien, jene, die lernen mussten, im Kadavergehorsam zu tun, was ihnen von päpstlich-göttlicher Autorität befohlen wird. Sie haben nicht zu fragen, schon gar nicht zu hinterfragen!

Auch die Funktion der Kleriker wurde im Laufe der Geschichte immer mehr beschnitten, zentralisiert und schlussendlich 1870 von Papst Pius IX. auf eine Person, den Papst allein konzentriert.

Um die religiöse Macht des Klerus und insbesondere des Papstes zu stärken und die Uniformität der Massen zu fördern, ging man – immer »im Namen Gottes« – systematisch vor. Ein Prinzip war, die Massen durch spezielle Lehren an sich zu binden. Parallel dazu musste die Heilige Schrift weitgehend verdrängt und dann verboten werden. Anstatt beim Wort Gottes zu verbleiben und alle Kraft zur Ausbreitung und zum Verständnis der Heiligen Schrift einzusetzen, verbot man, die Gottesdienste in der Muttersprache abzuhalten. Stattdessen wurde Latein die obligatorische Sprache der liturgischen Feier. Dem Volk wurden so die Quellen des Heils verborgen, es verarmte im geistlichen Leben buchstäblich und war schutzlos den herrschenden Kirchenfürsten ausgeliefert.

Papst Gregor I. der Grosse (590-604) führte die lateinische Sprache in den Gottesdiensten ein.

Papst Johannes VIII. (872-882) untersagte Bischof Methodius im Jahre 879, die Gottesdienste in der slavischen Sprache abzuhalten.

Papst Gregor VII. (1073-1085) lehnte das Gesuch des Herzogs von Böhmen, in der Landessprache die Gottesdienste abhalten zu dürfen, ab mit der Begründung, dass es dem allmächtigen Gott gefallen habe, dass die Heilige Schrift in manchen Ländern unbekannt bleibe.

Wir sehen: Genau das Gegenteil von dem, was Jesus die Apostel und gewisse Kirchenväter lehrten, lehren die Päpste.

Papst Innozenz III. (1198-1216) liess 1209 die röm.-kath. Masse, durch Ablässe angelockt, zur Ausrottung der Christen in Südfrankreich aufmarschieren und das Land in Schutt und Asche legen. Abertausende von Christen hatte er umbringen lassen, Kinder, Männer, Frauen. Wer sich retten konnte, verschwand im Untergrund oder verliess das Land.

Die Christen verbreiteten die Bibel in ihrer Muttersprache. Das schreckliche Treiben und Lehren der Päpste und des Klerus stand nicht im Einklang mit der Lehre Jesu und der Apostel. Weil das Volk durch einige Priester und Gelehrte die Bibel oder Auszüge davon in ihrer Muttersprache lesen konnte, prangerte es die Gottlosigkeit des Klerus an. Viele Gläubiggewordene fingen an, nach dem Evangelium zu leben. Dies alles erregte den Zorn des Papstes und des Klerus. Mit allen Mitteln versuchten sie nun, die Christen zu verfolgen und auszurotten, denn immer mehr Länder nahmen den christlichen Glauben durch das Lesen der Heiligen Schrift an. Die Päpste und der Klerus sahen ihre Macht geschwächt.

Papst Gregor IX. (1227-1241) entzog dem Volk die Bibel völlig und verbot auf dem Konzil von Toulouse (1229) das Lesen der Heiligen Schrift. Dieser Papst erhob die schreckliche Inquisition (blutigen Folter- und Kirchengerichte) zu einer offiziellen Einrichtung der Kirche. Mit Androhungen der Höllenstrafe, mit Folter und Schwert wurden jene ausfindig gemacht, die eine Bibel in der Muttersprache oder Teile davon besassen.

»Wir untersagen auch, dass man den Laien gestattet, die Bücher des Alten und Neuen Testamentes zu besitzen... Wir verbieten ihnen auf das nachdrücklichste, die oben erwähnten Bücher in der Volkssprache zu besitzen. – Die Wohnungen, die elendesten Hütten und selbst die verborgensten Zufluchtsstätten jener Menschen, bei denen man derartige Schriften findet, sollen vollständig vernichtet werden. Diese Leute sollen bis in die Wälder und Höhlen verfolgt werden, und wer ihnen Obdach gewährt, hat strenge Strafe zu erwarten.«27

Gelesen werden durften nur noch die Psalmen und zwar nur auf lateinisch denn das Volk verstand kein Latein, ebensowenig die meisten Priester!

Das Konzil von Tarragona (1234) legte ebenfalls fest:

»Niemand darf das Alte oder Neue Testament lesen oder verbreiten. . . oder... er würde der Ketzerei angeklagt werden.«28

Konzil von Konstanz (1415). Der hochgelehrte röm.-kath. Priester Wycliff, der erkannte, dass Päpste und Würdenträger aller Ebenen und das verführte Volk von seinem »frommen« lasterhaften Leben nur durch die Hinwendung zur Heiligen Schrift zu Busse und Umkehr zu bewegen ist, gab eine Bibel in der englischen Muttersprache heraus. In den kommenden Jahren regierten drei Päpste gleichzeitig: Benedikt XIII. (1394-1423) Gregor XII (1406-1415) Alexander V. (1409-1410) und Johannes XXIII. (1410-1415) als Nachfolger Alexanders.

Das Volk wandte sich in seiner Not und in seinem Hunger nach der Wahrheit vom Vatikan mehr und mehr ab und suchte gierig nach der Bibel in der Muttersprache oder nach Teilen davon. Es spielten sich überall in der Welt ähnliche Szenen ab, wie noch vor wenigen Jahren in der Sowjetunion und den andern kommunistischen Ländern. Heimlich wurden die Heiligen Schriften in der jeweiligen Muttersprache von Hand abgeschrieben – später dann auch mit Hilfe der Druckereien – und einander weitergereicht. Wer erwischt wurde, musste für sich und seine Angehörigen mit Gefängnis, Folter, Verbannung oder mit dem Tod rechnen, denn die päpstlichen Todesschwadrone waren allgegenwärtig!

Der Erzbischof von Canterbury, Arundel, musste darum auf dem Konzil von Konstanz nachträglich den bereits verstorbenen einflussreichen Gelehrten und Priester Wycliff öffentlich verdammen mit den Worten:

»jener giftige Bube einer verdammungswürdigen : Ketzerei, der eine neue Übersetzung der Heiligen Schrift in seiner  Muttersprache eingeführt hat.«29

Wie tiefsitzend der Hass des Vatikans gegen die Christen war, die an Stelle der Lehren Roms dem Volk das Wort Gottes verkündeten und zugänglich machten, zeigt uns sein Vorgehen gegen die sterblichen Überreste von John Wycliff.

Der röm.-kath. Theologe Jedin schreibt in seinem Handbuch der Kirchengeschichte:

»... es folgte die Verordnung, dass die Gebeine Wycliffs aus der geweihten Erde entfernt werden sollten... Im Dezember 1427 endlich erhielt der Bischof von Lincoln den Befehl, die Gebeine Wycliffs ausgraben und verbrennen zu lassen, was dann auch ausgeführt wurde.«30

Das Wort Gottes sollte durch die öffentliche Verurteilung dieser freimütigen Männer »im Namen Gottes« aus den Herzen der Menschen ausgemerzt werden. Eine grosse Zahl christlicher, heiliger Märtyrer, deren Namen durch die Päpste ausgelöscht worden sind, wird uns am Tage des Gerichtes begegnen. Entsetzen wird die Mitglieder dieser Kirche packen. Stattdessen haben die Päpste Verbrecher heiliggesprochen, die von Millionen Mitgliedern der römischen Kirche um Heil angefleht und angebetet werden müssen. Welch ein Elend!

Im 16. Jh. verfolgte der Vatikan mit letzter äusserster Gewalt und Brutalität jene Priester, die dem Volk die Bibel in ihre jeweilige Landessprache übersetzten. Um hier nur ein Beispiel zu nennen. Der Priester Luigi Giovan Paschale gab 1555 die Bibel zweisprachig in italienisch und französisch heraus. Er wurde von der päpstlichen Garde 1560 in Rom durch Räderung grausam gefoltert und hingerichtet. Unter der grausamen Hand des »frommen« Papsttums ist er als Märtyrer gestorben. Obwohl »zwischen 1567 und 1773 – wenigstens offiziell – in Italien keine einzige Bibel in der Volkssprache veröffentlicht werden konnte,«31 mehrte sich die Zahl der Priester, die dem Volk die Bibel als alleingültiges Reden Gottes in die jeweilige Muttersprache übersetzten und damit dem Auftrag Jesu gehorsam wurden:

»und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe« (Matthäus 28,19).

Durch all die Jahrhunderte hindurch zieht sich der Kampf der Päpste und des Klerus zur Unterdrückung und Ausrottung des Gotteswortes. Ständig müssen neue »fromme« diplomatische und philosophisch ausgeklügelte Manieren erfunden werden, um die Leute von Gottes Wort fernhalten zu können. Alles geschieht immer »im Namen Gottes«.

 

top Gottes Wahrheit bricht durch – Christen atmen auf

Zur Zeit der Reformation durchbrach eine Welle von röm.-kath. Mitglieder den Traditionswall des Vatikans, bestehend aus dem Morast eigener Lehren und dem gottlosen Leben der Kirchenfürsten. Gott verhalf ihnen durch sein Wort zum Durchbruch.

Die Reformatoren haben einen gewaltigen Schritt auf Gottes Wort und seinen Willen hin vollzogen – wenn sie auch aus politischen Überlegungen einiges bei der röm.-kath. Tradition belassen mussten, wie etwa die Kindertaufe. Jetzt war die lange, lange Zeit der päpstlichen Herrschaft durchbrochen, gebrochen. Jene, die dem Volk die Bibel predigten, konnten nicht mehr eingekerkert, gefoltert und »im Namen Gottes« mit Pomp, Würden, Titel und Weihrauch öffentlich verbrannt werden. Natürlich liefen Millionen von römischen Katholiken den Reformatoren nach, ohne sich aber wirklich zu bekehren. Ihnen war aber wichtig, vom geistlichen und politischen Joch des Vatikans befreit zu sein, aber viele waren unfähig, Jesus zu suchen und ihn gemäss der Schrift zu bekennen. Trotzdem, seit jenen Tagen gewinnt die Bibel von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer schneller an Boden. Jesus sagt:

»Vor dem Ende aber muss allen Völkern das Evangelium verkündet werden« (Markus 1,10).

Durch die Reformatoren konnten nun die Menschen die Bibel lesen und zwar in ihrer Muttersprache – welch eine Freude, Gott 1.', sei's gedankt! Was sie da lasen, widersprach der Lehre und dem Leben der Geistlichkeit bei weitem Papst Gregor XVI. (1831-1846) rief die Geistlichen in einer Bulle auf, den Gläubigen die Bibeln aus den Händen zu reissen!

Durch neue Massnahmen sollte die päpstliche Herrschaft aufrecht erhalten werden. Der Papst machte sich 1870 durch sein Unfehlbarkeitsdogma zum Gott. Dadurch sollte Druck auf die evangelischen Christen ausgeübt werden und die Mitglieder der römischen Kirche sollten so noch enger an die päpstliche Macht und an die Lehrgewalt der Geistlichkeit gebunden werden, um einen weiteren Zerfall der Institution zu verhindern.

Papst Pius IX. (1846-1878) veröffentlichte 1864 die Enzyklika »Qui pluribus«. Darin schreibt er von den

»überaus verschmitzten Bibelgesellschaften, die den alten Kunstgriff der Häretiker (Irrlehrer) erneuert und die Bücher der göttlichen Schriften, entgegen den allerheiligsten Vorschriften der Kirche, in alle Landessprachen übersetzen und mit oft verdrehten Erklärungen versehen.«32

Das Verrückte am Ganzen ist, dass gerade die Päpste die Bibel laufend zu ihren Gunsten mit »verdrehten Erklärungen versehen«!

Am 8. Dezember 1866 veröffentlichte er die Enzyklika »Quanta cura«. Ihr waren 8 Irrtümmer (Syllabus) beigefügt. Als »Pest« verdammt er :

und – man staune –

Die Verurteilungen Pius IX. lassen diesen als Erhalter der »alten Wahrheiten« hervortreten – In Wirklichkeit stemmte er sich mit aller Vehemenz gegen Gottes Wort. Wer Gottes Wort liest und alle Entscheidungen und Verurteilungen dieses Papstes wachsam durchliest, versteht diesen Widerstand der Päpste gegen jede Kritik von der Bibel her. Alles galt als Modernismus, selbst Gott mit seiner Offenbarung musste verdammt und ausgerottet werden – »im Namen Gottes« – denn er widerspricht der päpstlichen Religion!

Erst seit den Tagen Leos XIII. (1878-1903) spricht man auch in der römischen Kirche von Bibelforschung und Bibelgesellschaften.

Im Rundschreiben »Providentissimus Deus« von 1893 erfahren wir eine Öffnung hin zur Bibelforschung. Papst Leo XIII.

»erkennt rückhaltlos die wertvollen Dienste an, die neue Forschungsmethoden der Bibelwissenschaft geleistet haben, er will alle Mittel der modernen Wissenschaft für ein tieferes Verstehen der heiligen Bücher nutzbar machen. – Aber die Heilige Schrift ist Gotteswort, daher unfehlbar.«33

  Was der Papst aber mit diesem Satz meint :

»Aber die Heilige Schrift ist Gotteswort, daher unfehlbar«

wird gleich dargelegt.   Es wird betont:

»Jede katholische Schrifterklärung muss aus der Fülle kirchlicher Überlieferung schöpfen.«34

Damit wurde jede Rückbesinnung auf das Anliegen der Reformatoren, das sola scriptura, die Schrift allein, verunmöglicht, denn letztlich können traditionelle Lehrsätze (Dogmen) nicht rückgängig gemacht werden, sonst hätte sich ja Gott durch den Mund der Päpste geirrt! Busse mit Umkehr wegen all der falschen Lehrsätze, für die in der Öffentlichkeit sogar die Bibel herhalten muss, blieb sowohl damals wie heute aus. So bleiben auch die Früchte aller Erneuerungen und aller Bibelgremien innerhalb der römischen Kirche aus.

Papst Leo setzte am 30. Oktober 1902 eine Bibelkommission ein

»Zur Förderung der Bibelwissenschaften und zur Entscheidung schwebender Fragen.«35

Denn trotz des päpstlichen Unfehlbarkeitsdogmas von 1870 und all den Verleumdungskampagnen gegen die Reformatoren wurde die Bibel unter den Gelehrten immer mehr gelesen. Da viele sich durch das Lesen der Schrift von der Kirche abwandten, musste sich der Vatikan ergeben. Aber anstatt sich dem Wort Gottes zu stellen und Busse zu tun, ersann der Vatikan neue Mittel, um die Bibel unter dem römischen Volk nutzlos erscheinen zu lassen. Man entwickelte ausgeklügelte Methoden, durch welche die Bibel als Stütze der römischen Lehren weiterhin dem Volke erscheinen sollte!

Was Papst Benedikt XV. (1914-1922) schreibt, könnte die Herzen auf jubeln lassen. Aber es muss unter der Perspektive der röm.-kath. Dogmatik gesehen werden. Der Theologe Dr. Rösch schreibt in der Einleitung zu seinem Neuen Testament:

»So schreibt Papst Benedikt XIV. in der berühmten Hieronymus-Enzyklika `Spiritus Paraclitus´: `Wir ermahnen unaufhörlich alle Christgläubigen, dass sie die heiligen Evangelien, die Apostelgeschichte und Apostelbriefe in täglicher Lesung immer wieder durchgehen... Es soll keine christliche Familie mehr geben, die diese Schriften nicht besitzt.´«36

Papst Pius X. (1903-1914) verwirft im Dekret »Lamentabili« und im Rundschreiben »Pascendi« (1907) alles, was irgendwie Kritik an der Kirche bedeutet. Wir dürfen nie vergessen, dass die meisten röm.-kath. Mitglieder das Wesen und die Lehren des Papsttums der Bibel gleichsetzen. Die Päpste sprachen und sprechen von Jesus und der Lehre der Apostel und ihren Sonder- und Irrlehren in einem Atemzug und das seit vielen Jahrhunderten, so dass diese Vermischung in Fleisch und Blut ihrer Mitglieder übergegangen ist. Das vergessen viele Nichtkatholiken, wenn sie sich mit röm.-kath. Mitgliedern begeistert über die Bibel unterhalten. Erst in der Glaubenspraxis treten die Widersprüche offenkundig hervor.

So verlangte Pius X. von allen Priestern eine Eidesformel:

»1910 wurde von Pius X. für den gesamten Klerus, der in der Seelsorge oder im Lehrfach tätig war, die Ablegung eines Eides gefordert, in dem die Verwerfung aller wesentlichen modernistischen Irrtümer über Offenbarung und Überlieferung enthalten ist.
Auch wenn der sogenannte `Anitmodernisteneid´ seit 1967 abgeschafft ist, so ist die Eidesformel doch wegen der in ihr wiedergegebenen knappen Zusammenfassung der modernistischen Irrlehren wichtig.«37

Diese Eidesformel wird eingeleitet:

»Ich umfasse fest und nehme an alles und jedes Einzelne, was vom irrtumslosen Lehramt der Kirche bestimmt, aufgestellt und erklärt ist, besonders die Hauptstücke ihrer Lehre, die unmittelbar den Irrtümern der Gegenwart entgegen sind.«38

Nach dieser Formel heisst es:

»In schuldiger Ehrfurcht unterwerfe ich mich, und mit ganzem Herzen schliesse ich mich an allen Verurteilungen, Erklärungen, Vorschriften, wie sie im Rundschreiben »Pascendi« und im Entscheid »Lamentabili« enthalten sind, besonders, insoweit sie sich auf die sogenannte Dogmengeschichte beziehen. Auch verwerfe ich den Irrtum derer, die behaupten, der von der Kirche vorgelegte Glaube könne der Geschichte widerstreiten und die katholischen Glaubenssätze könnten in dem Sinn, in dem sie jetzt verstanden werden, mit den Ursprüngen der christlichen Religion, wie sie wirklich waren, nicht in Einklang gebracht werden.«39 .

Bei unserer Priesterweihe 1977 mussten wir diese Eidesformel nicht mehr ablegen. Ich versprach in meinem Gewissen, dem Papst und dem Bischof zu gehorchen, soweit sie mich nicht zu glauben und zu lehren verpflichten, was der Lehre Jesu und der Apostel widerspricht. Im Lesen der Heiligen Schrift erkannte ich Schritt für Schritt die Widersprüche zwischen beiden. Keiner kann zwei Herren dienen, das zerreisst ihn auf die Dauer.

Jesus sagt in Matthäus 6,24:

»Niemand kann zwei Herren dienen,. er wird entweder den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird zu dem einen halten und den anderen verachten.«

Papst Pius XII. (1933-1958) erliess 1950 sein grosses Rundschreiben »Humani Generis«,

»über einige falschen Ansichten, die die Grundlagen der katholischen Kirche zu untergraben drohen.«40

Darunter verwirft er eine der grundsätzlichsten Voraussetzungen, um Gott in seinem Wort unter den Menschen wieder zu Worte kommen zu lassen:

»Was nun die Theologie betrifft, so gehen einige darauf aus, den Sinn der Dogmen möglichst abzuschwächen und das Dogma von der Ausdrucksweise, die seit langem in der Kirche gebräuchlich ist, und von den philosophischen Begriffen, deren sich die katholischen Gelehrten bedienen, frei zu machen, um statt dessen bei der Darlegung der katholischen Lehre zur Sprechweise der Heiligen Schrift und der Kirchenväter zurückzukehren.«41

An dem Gnadenangebot Gottes für unsere Zeit – Umkehr zu Gottes Wort als Antwort auf die Fragen der Menschen von heute – gehen die Päpste hartnäckig im traditionellen Selbstbewusstsein vorbei. Dies wird auch im folgenden Abschnitt durch Papst Pius XII. bestätigt.

»Vieles und Wertvolles ist in jahrhundertelanger Arbeit von Männern nicht gewöhnlicher Geisteskraft und Heiligkeit, unter der wachsamen Aufsicht des kirchlichen Lehramtes und nicht ohne Erleuchtung und Führung des Heiligen Geistes, erfasst, zum Ausdruck gebracht und nach und nach vervollkommnet worden, um die Wahrheiten des Glaubens immer bestimmter auszudrücken. All dies beiseite zu lassen, zu verwerfen oder seines Wertes zu entkleiden. .. ist daher nicht nur im höchsten Grade unklug, sondern heisst auch das Dogma selbst gewissermassen zu einem vom Winde hin und her bewegten Rohr machen. Die Geringschätzung der Ausdrücke und Begriffe, deren sich die scholastischen Theologen zu bedienen pflegen, führt von selbst dazu, der sogenannten spekulativen Theologie ihre Kraft zu nehmen, da diejenigen, die so vorangehen, der Ansicht sind, sie biete keine echte Sicherheit, weil sie sich auf theologisches Schlussverfahren stütze.

Es ist daher tief bedauerlich, dass die in der Kirche angenommene und anerkannte Philosophie heute von manchen geringgeschätzt wird und man sie ohne weiteres als veraltet in der Form und als rationalistisch in ihrem Denkverfahren hinstellt...«42

Der Apostel Paulus empfand eine Abscheu vor jeglicher Philosophie, die die Lehre Jesu einfangen oder ersetzen wollte, ebenso vor jeder Werkgerechtigkeit. Die griechisch-philosophische Denkweise wollte schon immer Einfluss auf das Judentum und später auf das Christentum gewinnen. Doch die griechische Philosophie widerspricht dem Heilshandeln Gottes. Darum haben die Apostel immer vor diesem Einfluss gewarnt.

Im Mittelalter steckten die Theologen den christlichen Glauben weitgehend in dieses gewaltige philosophische, neuplatonische Denksystem, mit all seinen Verzweigungen. Paulus warnte die Christen:

»Gebt acht, dass euch niemand mit seiner Philosophie und falschen Lehren verführt, die sich nur auf menschliche Überlieferung stützen...« (Kolosser 2,8).

Papst Johannes XXIII. (1958-1963), (es gab schon einmal einen Papst Johannes XXIII., der von 1410-1415 zur gleichen Zeit mit anderen Päpsten regierte) eröffnete 1962 das 2. Vatik. Konzil. Dieser Papst schien eine Wende auf Gottes Wort hin zu vollziehen. Er starb aber während des Konzils im Jahre 1963.

Papst Paul VI. (1963-1978) wurde sein Nachfolger. Er war ein ängstlicher Papst. Darum griff er wieder vermehrt zu den traditionellen Lehren und Sicherheiten der Kirche zurück. Er schloss das 2. Vatik. Konzil 1965 ab.

Mit Papst Johannes Paul I. (1978) erwachte die Hoffnung unter vielen Christen, dass er die römischen Katholiken zum Wort Gottes hinführen könnte. Doch er starb nach 33 Tagen.

 

top Die Bibel in der röm.-kath. Kirche heute

Es muss wahrhaft ein mühevolles Unternehmen sein, für die suchenden Menschen der heutigen Zeit Gottes Wort und die Menschensatzungen so miteinander zu verknüpfen, dass sie vor dem Volk glaubhaft als Gottes Wahrheit erscheinen. Auch das 2. Vatik. Konzil bleibt hartnäckig der Tradition der Päpste verhaftet, ebenso das neue Kirchenrecht.

Das 2. Vatik. Konzil (1962-1965): Der röm.-kath. Theologe Karl Rahner schreibt zur Einleitung der Lehre des Konzils über Gottes Wort:

»Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) wollte, seiner pastoralen Zielsetzung entsprechend, keine neuen Dogmen definieren. .. Die dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung `Dei verbum´ gehört zu den am mühevollsten erarbeiteten Texten des Konzils, da in dieser Konstitution das Verhältnis von Überlieferung und Schrift zur Diskussion stand, wie auch die Fragen des rechten Schriftverständnisses.«43

Wenn unter Überlieferung der röm.-kath. Kirche eine treue Bibelauslegung gemeint wäre, ja, dann könnten auch die christlichen Kirchen und Gemeinden mit der röm.-kath. Kirche zusammenarbeiten. Aber unter »Fragen des rechten Schriftverständnisses« versteht die röm.-kath. Kirche nach wie vor das strikte Beibehalten nichtchristlicher Meinungen und Lehren von Päpsten.

Das Konzil lehrt in der dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung in Kapitel 2,9:

»So ergibt sich, dass die Kirche ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein schöpft. Daher sollen beide mit gleicher Liebe und Achtung angenommen und verehrt werden.«44

Die Bibel als Quelle des göttlichen Redens allein genügt also nicht! Damit lehnt die röm.-kath. Kirche in Verstocktheit und Hartnäckigkeit das neue Gnadenangebot Gottes für unsere Zeit ganz klar und offensichtlich ab. Von Umkehr und Busse ist keine Rede. Stattdessen versucht man, die getrennten Kirchen und Gemeinschaften durch schöne Reden und viele Sitzungen, bei denen man um den Brei herumspricht, in den Schoss des Vatikans zu locken.

Die römische Kirche lehrt in der Einleitung zur dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung d.h. über die Bibel:

»Gottes Wort voll Ehrfurcht hörend und voll Zuversicht verkündigend, folgt die Heilige Synode den Worten des heiligen Johannes: ` Wir künden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschien. Was wir gesehen und gehört haben, künden wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft habt mit uns und unsere Gemeinschaft Gemeinschaft sei mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus´ (1 Jo 1,2-3). Darum will die Synode in Nachfolge des Trienter und des ersten Vatikanischen Konzils die echte Lehre über die göttliche Offenbarung und deren Weitergabe vorlegen, damit die ganze Welt im Hören auf die Botschaft des Heiles glaubt, im Glauben hofft und in der Hoffnung 1iebt.«45

Es mutet wie Spott, ja wie Hohn auf Gottes Wort und auf Gott an, denn jedermann weiss heute, dass auf den Konzilien von Trient und auf dem 1. Vatikanum Irr- und Sonderlehren aufgestellt worden sind. Hier stehen Päpste, Bischöfe und Theologen wohl tüchtig da in der menschlichen Tradition, aber im frontalen Gegensatz zu Jesus Christus und der Lehre der Apostel. Es möge jeder ganz persönlich nachprüfen, was diese Konzilien lehren und was die Heilige Schrift lehrt.

Es gibt keine religiöse Institution, die mit einer solchen Feinheit und wissenschaftlichen Reichweite Gottes Wort in ihre eigenen Absichten und Lehren hineinverwoben hat, wie die römische Kirche. Auf den ersten Blick hin glaubt sowohl derjenige, der Mitglied dieser Kirche ist, wie der Aussenstehende, der begeistert ist von den äusseren Umwandlungen in der Kirche, dass hier Gott mit seinem Wort in allem den Vorrang besitzt. Überall werden Bibelverse zitiert, man spricht von Jesus Christus und Christenheit, man spricht von der Bibel als der einzigen unfehlbaren (Kanon), abgeschlossenen Offenbarung! So wird gelehrt:

»Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben (vgl. Jo 20,31 2 Tim 3,16 2 Petr 1,19-21 3,15-16), Gott zum Urheber haben, und als solche der Kirche übergeben sind. Zur Abfassung der Heiligen Bücher hat Gott Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten, all das und nur das, was er – in ihnen und durch sie wirksam – geschrieben haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern.
Da also alles, was die inspirierten Verfasser oder Hagiographen aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt zu gelten hat, ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, dass sie sicher und getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeigt haben wollte. Daher `ist jede Schrift, von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Beweisführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Gott gehörige Mensch bereit sei, wohlgerüstet zu jedem guten Werk´ (2 Tim 3,16-17 griech.).«46

Was hier das 2. Vatik. Konzil in seiner dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung »Dei Verbum« sagt, bestätigt uns der biblische Kanon, also Gottes Wort selbst. Aber was dem Wort Gottes total entgegengesetzt ist und widerspricht, also eine Irreführung des Volkes darstellt, sind folgende Aussagen:

»Denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben. ..«

Katholische Dogmenlehre und ihre Praxis bestätigen das Gegenteil. Ein weiterer Punkt, der dem Wort Gottes widerspricht, ist folgende Aussage: »Und als solche der Kirche übergeben sind.« Gott, der Herr, hat sein Wort keiner Kirche übergeben. Gott weiss, wie schnell sich der Mensch verleiten lässt und alles zu seinen Gunsten missbraucht, darum hat er uns in der Bibel in Jesus Christus seinen Willen kundgetan. Gott in seiner Souveränität lässt sich von niemandem vereinnahmen.

Jesus brachte das Evangelium. Die Apostel verkündeten dieses Evangelium

»nicht in überredenden Worten der Wahrheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht an Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruhe,« wie Paulus den Christen von Korinth schreibt (1 Korinther 2,4+5).

Die Jünger erhielten von Jesus den Auftrag, dieses Evangelium, das Wort Gottes, allen Nationen zu sagen, zu predigen –

»und sie lehrt, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe« (Matthäus 28,20).

Paulus schreibt den Christen von Kolossäa:

»Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch« (Kolosser 3,16).

In der modernen Zeit kann es sich die römische Obrigkeit nicht mehr erlauben, sich gegen das Schenken und Verteilen von Bibeln in der Muttersprache zu stellen. Sie hat diese Art von Kampf gegen Gottes Wort eingestellt und sich eines Besseren besonnen, wie wir gleich sehen werden. So werden bei manchen Gelegenheiten Bibeln verschenkt, wie etwa bei Hochzeiten, Firmanlässen usw. Manche Priester sind froh, diesen Dienst der Liebe Jesu tun zu dürfen. Denken wir nur an die »Ostblockstaaten«, wo Menschen aus allen Kirchen und Gemeinschaften viele Jahre in Konzentrationslagern verbringen mussten, weil sie die Bibel oder Teile davon besassen und diese heimlich abschreiben liessen.

Vielen geistlichen Hierarchen ist das schnelle Verbreiten der Bibel ein Dom im Auge, denn die Zahl derer, die gerade durch das Lesen und Betrachten des Gotteswortes jährlich die römische Kirche verlassen, ist enorm. So scheuen sich viele Priester nicht, im Schein ihres Wissens und der Wissenschaft, Gottes Wort bewusst vor ihren Gläubigen zu untergraben und zu verleugnen. Welch schreckliche Verantwortungslosigkeit!

 

top Meinungen von Priestern zur Bibel

1. »Und hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan...« (Epheser 1,9)

Aber Priester sagen den Leuten: »Die Bibel selbst ist ja schon Tradition, Überlieferung von Menschen.« Die wenigsten römischen Katholiken wissen, was der biblische Kanon, die Bibel ist. Die Wenigsten fragen sich, warum uns dieser Kanon von Gott als Richtschnur gegeben ist und sich von allen anderen religiösen Schriften, von privaten Offenbarungen und von Lehren der Päpste abgrenzt. Für die Allermeisten von ihnen ist der Kanon der Bibel mit den Dekreten und dogmatischen Lehrsätzen der Päpste identisch, denn, so glauben sie, die Päpste verkünden und lehren uns ja unfehlbar immer das Neuste an Dekreten und Dogmen, was Gott im Himmel beschliesst.

Die Bibel ist Gottes Reden und unterscheidet sich klar von der Lehrtradition der Päpste. Was schreibt Paulus den Christen von Korinth?

»Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen,. es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe ... Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäss der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tage auferweckt worden, gemäss der Schrift ...« (1 Korinther 15,1-4).

Paulus betont, dass sie an dem Wortlaut festhalten sollen und dass alles, was sich mit Jesus zugetragen hat, gemäss der Schrift des ATs geschehen ist. Die Heilige Schrift ist die Tradition, die in ihrem Wortlaut als Gottes Reden nicht verändert werden darf durch neue Lehren. Es darf auch nicht etwas weggenommen oder etwas stillschweigend übergangen werden, weil es irgend jemandem nicht ins religiöse Konzept passt. Gott hat durch die Propheten gesprochen. Das, was er gesprochen hat, sein Wille, gilt es zu glauben, festzuhalten und weiterzugeben. Darum sagt Paulus:

»Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet!«

Wie kamen die Juden und Griechen von Beröa zum Glauben an Jesus Christus? Paulus predigte ihnen Jesus. Sie glaubten ihm nicht einfach blind. Sie forschten in den Schriften des Alten Testamentes nach, ob sich das alles wirklich auf Jesus beziehe. Wir lesen in der Apostelgeschichte 17,11:

»Diese waren freundlicher als die in Thessalonich,´ mit grosser Bereitschaft nahmen sie das Wort auf und forschten Tag für Tag in den Schriften nach, ob sich dies wirklich so verhielte.«

Welchen Sinn hatte es auch für die damaligen Menschen, im Alten Testament nachzulesen, um Gewissheit über Jesus Christus zu bekommen? Wir finden im AT über 300 Voraussagen über Jesus Christus, den Messias. Die Voraussagen, sind nicht von Wahrsagern oder Hellsehern gemacht worden, sondern durch Propheten, die, von Gottes Geist erfüllt, sprachen und schrieben. Warum stimmen diese Vorhersagen, und warum kann sie keiner ignorieren oder leugnen, ohne dass er damit nicht auch Gott ignoriert und verleugnet und damit sein irdisches und ewiges Leben verliert?

Alle diese Voraussagen haben sich vollständig, ohne Ausnahme, im Leben Jesu erfüllt. Das ist ein Wunder, nicht wahr? Lass dir all diese Stellen aufzeigen und prüfe selbst nach, so wie es die Juden und vornehmen Griechen von Beröa taten. Suchst du wirklich Gott, dann wird es dir ergehen wie jenen Menschen in dieser Stadt.

»Viele von ihnen wurden gläubig, und ebenso nicht wenige der vornehmen griechischen Frauen und Männer« (Apostelgeschichte 17,12).

Apollos, der in den Schriften des AT kundig war, bekannte Jesus offen:

»Ein Jude namens Apollos kam nach Ephesus. Er stammte aus Alexandria, war redekundig und in der Schrift bewandert. Er war unterwiesen im Weg des Herrn. Er sprach mit glühendem Geist und trug die Lehre von Jesus genau vor ...« (Apostelgeschichte 18,24+25).

Der Apostel Petrus schreibt daher in seinem ersten Brief:

»Nach diesem Heil haben die Propheten gesucht und geforscht, und sie haben über die Gnade geweissagt, die für euch bestimmt ist. Sie haben nachgeforscht, auf welche Zeit und welche Umstände der in ihnen wirkende Geist Christi hindeute, der die Leiden Christi und die darauf folgende Herrlichkeit im voraus bezeugte. Den Propheten wurde offenbart, dass sie damit nicht sich selbst, sondern euch dienten,. und jetzt ist euch dies alles von denen verkündet worden, die euch in der Kraft des vom Himmel gesandten Heiligen Geistes das Evangelium gebracht haben. Das alles zu sehen ist sogar das Verlangen der Engel« (1 Petrus 1,10-12).

Beim Propheten Amos 3,7+8 ist geschrieben:

»Nichts tut Gott, der Herr, ohne dass er seinen Knechten, den Propheten, zuvor seinen Ratschluss offenbart hat. Der Löwe brüllt – wer fürchtet sich nicht? Gott, der Herr, spricht – wer wird dann nicht zum Propheten?«

Kaum war der Pfingsttag vorbei, geschah folgendes. Petrus und Johannes gingen um die neunte Stunde zum Gebet hinauf in den Tempel. Im Namen Jesu heilte Petrus einen Mann, der von Mutterleibe an gelähmt war. Dann schreibt uns der Evangelist Lukas:

»Da er sich Petrus und Johannes anschloss, lief das ganze Volk bei ihnen in der sogenannten Halle Salomos zusammen, ausser sich vor Staunen. Als Petrus das sah, wandte er sich an das Volk: ... Mose hat gesagt: einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken. Auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagt. Jeder, der auf jenen Propheten nicht hört, wird aus dem Volk ausgemerzt werden. Und auch alle Propheten von Samuel an und alle, die später auftraten, haben diese Tage angekündigt« (Apostelgeschichte 3,11+12.22+24).

Petrus weist auf das Reden Gottes im AT hin, das sich in Jesus erfüllt!

Jesus selbst sagt jenen, die ihm nicht glauben, ihn in Frage stellen oder sogar ablehnen:

»Auch der Vater selbst, der mich gesandt hat, hat über mich Zeugnis abgelegt. Ihr habt weder seine Stimme gehört noch seine Gestalt je gesehen, und auch sein Wort bleibt nicht in euch, weil ihr dem nicht glaubt, den er gesandt hat. Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben gerade sie legen Zeugnis über mich ab. Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu haben. Meine Ehre empfange ich nicht von Menschen. Ich habe erkannt, dass ihr die Liebe zu Gott nicht in euch habt. Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und doch lehnt ihr mich ab. Wenn aber ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, dann werdet ihr ihn anerkennen. Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander empfangt, nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt? Denkt nicht, dass ich euch beim Vater anklagen werde Mose klagt euch an, auf den ihr eure Hoffnung gesetzt habt. Wenn ihr Mose glauben würdet, müsstet ihr auch mir glauben denn über mich hat er geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie könnt ihr dann meinen Worten glauben?« (Johannes 5,37-47).

Kurz vor seinem Tod betont der Apostel Petrus, dass das Zeugnis der Apostel nicht auf ausgeklügelten Fabeln beruht und dass keine Weissagung der Schrift eigenmächtig ausgelegt werden darf:

»Indem ihr dies zuerst wisst, dass keine Weissagung der Schrift aus eigener Deutung geschieht. Denn niemals wurde eine Weissagung durch den Willen eines Menschen hervorgebracht, sondern von Gott her redeten Menschen, getrieben vom Heiligen Geist« (2 Petrus 1,20+21).

Paulus wird von seinen ehemaligen Glaubensgenossen beim jüdischen Stadthalter Felix verklagt:

»Nach fünf Tagen kam der Hohepriester Hananias mit einigen Ältesten und dem Anwalt Tertullus herab, und sie brachten beim Stadthalter ihre Klage gegen Paulus vor... Wir finden nämlich, dieser Mann ist eine Pest, ein Unruhestifter bei allen Juden in der Welt und ein Rädelsführer der Nazaräersekte. Er hat sogar versucht, den Tempel zu entweihen. Wir haben ihn festgenommen« (Apostelgeschichte 24,1.5-6).

Paulus verteidigt sich und sagt:

»Das allerdings bekenne ich dir: Dem neuen Weg entsprechend, den sie eine Sekte nennen, diene ich dem Gott meiner Väter. Ich glaube an alles, was im Gesetz und in den Propheten steht« (Apostelgeschichte 24,14).

Wenn uns Gottes Wort sagt:

»Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit« (Hebräer 13,18),

so freuen wir uns kindlich, dass sich an ihm alles erfüllt, was das AT von ihm sagt. Er ist derselbe Jesus wie zur Zeit Abrahams, zur Zeit, als er unter den Menschen lebte wie auch heute. Wenn wir in seinem Namen uns versammeln, tröstet und richtet er auf, heilt er an Leib und Seele. Er wird derselbe sein, wenn wir in dieser Welt sterben werden – wenn er nicht vorher kommt und wir mit ihm entrückt werden.

2. »Euch ist es gegeben die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen ...« (Mt 13,11)

Aber Priester sagen den Leuten: »Die Bibel ist voller Widersprüche. Nur der Papst und seine Theologen können die Bibel richtig verstehen und auslegen.«

Wer will diese gotteslästerliche Behauptung am Tage des Gerichts verantworten?

Den Leuten wird immer wieder eingehämmert, dass nur das kirchliche Lehramt die Bibel richtig interpretieren kann. Das letzte Konzil sagt:

»Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird.«47

Unter »verbindlich zu erklären« ist gemeint, die Auslegung muss den Lehren der Päpste durch die Jahrhunderte entsprechen. Eigentlich müsste es gerade umgekehrt sein. Die Päpste hätten sich bei ihren Entscheidungen in allen Lehrfragen am Wort Gottes, der Bibel, orientieren müssen. Trotzdem lehrt das Konzil die römischen Mitglieder:

»Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft.«48

Diese Aussage widerspricht der Lehre und Praxis der röm.-kath. Kirche.

Es erschreckt uns, mit welch teuflischer Scheinheiligkeit die römische Obrigkeit das bibelunkundige Volk blendet.

Das wissen wohl die meisten Theologen, dass die Ansammlung von so vielen menschlichen Lehren, die als heilsnotwendig gelehrt werden, ein so mächtiges Ausmass erreicht haben, dass alle Menschen es sehen müssten, wenn sie demütig Gottes Wort lesen würden.

Jesus sagte den Zuhörern, die seinem Wort ständig widersprachen:

»Warum versteht ihr nicht, was ich sage? Weil ihr nicht imstande seid, mein Wort zu hören. Ihr habt den Teufel zum Vater, und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt. Er war ein Mörder von Anfang an. Und er steht nicht in der Wahrheit denn es ist keine Wahrheit in ihm. Wenn er lügt, sagt er das, was aus ihm selbst kommt denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge. Mir aber glaubt ihr nicht, weil ich die Wahrheit sage. Wer von euch kann mir eine Sünde nachweisen? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? Wer aus Gott ist, hört die Worte Gottes ihr hört sie deshalb nicht, weil ihr nicht aus Gott seid. Da antworteten ihm die Juden: Sagen wir nicht mit Recht: Du bist ein Samaritaner und von einem Dämon besessen? Jesus erwiderte: Ich bin von keinem Dämon besessen, sondern ich ehre meinen Vater, ihr aber schmäht mich. Ich bin nicht auf meine Ehre bedacht doch es gibt einen, der darauf bedacht ist und der richtet. Amen, Amen, ich sage euch: Wenn jemand an meinem Wort festhält, wird er auf ewig den Tod nicht schauen ...« (Johannes 8,43-51).

Menschen, die bereit sind, den Willen Gottes zu tun, erkennen, ob die Lehre Jesu von Gott ist oder von Menschen. Was Menschen an Lehren über Gott hervorbringen, ist voller Widersprüche. Jesus sagt darum seinen Zuhörern:

»Meine Lehre stammt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat. Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt, oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche. Wer im eigenen Namen spricht, sucht seine eigene Ehre wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist glaubwürdig, und in ihm ist keine Falschheit« (Johannes 7,16-18).

Paulus schreibt dem Pastor Timotheus:

»Dies trage den Brüdern vor, dann wirst du ein guter Diener Christi Jesu sein, erzogen in den Worten des Glaubens und der guten Lehre, der du gefolgt bist... Dieses Wort ist glaubwürdig und wert, dass man es beherzigt. Dafür arbeiten und kämpfen wir, denn wir haben unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt ...« (1 Timotheus 4,6+9).

Jesus Christus und die Apostel kannten kein »Geheimnis des Glaubens«. Geheimnisse des Glaubens gibt es nur im heidnischen Mysterienkult, im Okkultismus. Aus der offenen, befreienden Botschaft Jesu Christi machte die vatikanische Obrigkeit ein Geheimnis für eine religiöse Elitegruppe.

Johannes der Täufer sagt von Jesus:

»Er, der von oben kommt, steht über allen, wer von der Erde stammt, ist irdisch und redet irdisch. Er, der aus dem Himmel kommt, steht über allen. Was er gesehen und gehört hat, bezeugt er, doch niemand nimmt sein Zeugnis an. Wer sein Zeugnis annimmt, beglaubigt, dass Gott wahrhaftig ist« (Johannes 3,31-34).

Was sagt Jesus in Matthäus 13,11:

»Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen, ihnen aber ist es nicht gegeben.«

Das Reich Gottes ist in Jesus offenbar geworden. Für jene nun, die ihre Herzen, ihre Gesinnung Jesu Wort gegenüber verschliessen, bleibt es ein Geheimnis des Glaubens, weil sie sich an ihren eigenen religiösen Vorstellungen festklammern. Jenen aber, die in Demut bereit sind, ihre Herzen und ihr Sinnen auf Jesus auszurichten, auf ihn zu hören und einzugehen, ihnen ist es von Gott her gegeben, die Geheimnisse des Himmelreiches zu kennen. Verstockung verschliesst den Menschen, macht ihn und seine Umwelt geheimnisvoll. Auf Jesus hin offen werden, heisst: Jesus öffnet und heilt. was finster und geheimnisvoll im Lehren und Leben eines Menschen ist.

Jesus deutet in Markus 4,21+22, dass in ihm (dem Wort) alles Licht wird, klar wird, jegliche Sünde vor ihm aufgedeckt daliegen wird, nicht um uns zu richten, sondern um uns freizusetzen:

»Er sagte zu ihnen: Zündet man etwa ein Licht an und stülpt ein Gefäss darüber oder stellt es unter das Bett? Stellt man es nicht auf den Leuchter? Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und nichts Geheimes, dass nicht an den Tag kommt. Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er!«

Darum sagt Jesus auch

»... Was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt« (Johannes 8,26).

Am Ende seines Lebens betet Jesus zum Vater:

»Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast« (Johannes 17,8).

Als die Priesterschaft Jesus den Prozess machte, bekannte Jesus:

»Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen« (Johannes 18,19+20).

Beim Verhör vor Pilatus antwortet Jesus:

»Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme« (Johannes 18,37).

Paulus bestätigt im ersten Brief an die Korinther, dass das Geheimnis Gottes geoffenbart worden und zu verkündigen ist, nicht durch glänzende Reden oder gelehrte Weisheit, damit alles für das Volk ein Geheimnis des Glaubens wird:

»Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das. Zeugnis Gottes zu verkündigen ... Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stütze, sondern auf die Kraft Gottes... Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat, zu unserer Verherrlichung ... Nein, wir verkündigen, wie es in der Schrift heisst, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das grosse, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben... Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott stammt, damit wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist. Davon reden wir auch nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern wie der Geist sie lehrt, indem wir den Geisterfüllten das Wirken des Geistes deuten. Der irdisch gesinnte Mensch aber lässt sich nicht auf das ein, was vom Geist Gottes kommt« (1 Korinther 2,1-14).

Als Paulus von Ältesten in Ephesus Abschied nahm, erinnerte er sie daran, dass allein Christus entscheidend ist und dass er ihnen nichts vom Heil verschwiegen habe:

»Ihr wisst, wie ich vom ersten Tag an, seit ich die Provinz Asien betreten habe, die ganze Zeit in eurer Mitte war und wie ich dem Herrn in aller Demut diente unter Tränen und vielen Prüfungen, die ich durch die Nachstellungen der Juden erlitten habe, wie ich nichts verschwiegen habe von dem, was heilsam ist. Ich habe es euch verkündigt und habe euch gelehrt, öffentlich und in den Häusern« (Apostelgeschichte 20,18-21).

Paulus schreibt voll Freude den Christen von Rom:

»Ehre sei dem, der die Macht hat, euch Kraft zu geben –  gemäss meinem Evangelium und der Botschaft von Jesus Christus, gemäss der Offenbarung jenes Geheimnisses, das seit ewigen Zeiten unausgesprochen war, jetzt aber nach dem Willen des ewigen Gottes offenbart und durch prophetische Schriften kundgemacht wurde, um alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen. Ihm, dem einen, weisen Gott, sei Ehre durch Jesus Christus in alle Ewigkeit! Amen« (Römer 16,25-27).

Den Christen von Ephesus schreibt Paulus:

»... und hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, wie er es gnädig im voraus bestimmt hat« (Epheser 1,9).

Ferner schreibt er ihnen:

»Ich soll den Heiden das Evangelium, den unergründlichen Reichtum Christi verkündigen und enthüllen, wie jenes Geheimnis Wirklichkeit geworden ist, das von Ewigkeit her in Gott, dem Schöpfer des Alls, verborgen war« (Epheser 3,8+9).

Was meint Paulus, wenn er dem Pastor Timotheus schreibt:

»Ebenso sollen die Diakone sein: achtbar, nicht doppelzüngig, nicht dem Wein ergeben und nicht gewinnsüchtig sie sollen mit reinem Gewissen am Geheimnis des Glaubensfesthalten« (1 Timotheus 3,8+9).

Paulus redet offensichtlich – mit anderen Aussagen in der Schrift genommen – vom Evangelium als von dem gewaltigen Eingreifen Gottes, als das Geheimnis, das uns geoffenbart ist und über das man nicht hinausgehen darf, das nicht durch Geheimlehren wie bei den Heiden zu magischen Zwecken missbraucht und entwertet werden darf. Nur in Jesu Geist kann es so, wie es geoffenbart ist, verstanden, gelehrt und gelebt werden! Für die irdischgesinnten oder an einem religiösen System gebundenen Menschen bleibt die Botschaft ein Geheimnis oder sie machen daraus ein Geheimnis, ein Mysterium, das, wie in den heidnischen Religionen, nur bestimmten Menschen zugänglich ist und nur von bestimmten Menschen verwaltet werden kann und darf.

3. »... predigen wir Christus als gekreuzigt, den Juden ein Ärgernis und den Nationen eine Torheit den Berufenen selbst aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit« (1 Kor 1,23+24).

Aber Priester sagen den Leuten: »Betrachte die saubere und klare Lehreinheit der röm.-kath. Kirche, die in klar formulierten Dogmen zum Ausdruck kommt. Schau dir die Protestanten an, sie haben sich in lauter Sekten aufgelöst, weil jeder die Bibel interpretiert, wie es ihm passt!?«

Hierüber gäbe es wohl manches zu schreiben! Im Unterschied zu den Sekten gibt es weltweit viele Gemeinden (Kirchen), deren Fundament die Bibel ist. Diese Freikirchen treffen sich national und international regelmässig zum gemeinsamen Gebet, zum Abendmahl und zur gegenseitigen Auferbauung durch den Dienst am Wort und durch die Gaben Gottes.

In der römischen Kirche hat alles Platz. Sie ist der Inbegriff des Sektierertums in der Welt. Es gibt nichts, was in ihr nicht Platz fände, nur nicht die ungeteilte Liebe zu Jesus Christus und zu seinem Wort. Wie leichtsinnig ist es da, von Einheit zu sprechen. Wie aus dem »Dekret über den Ökumenismus« und der »Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu nichtchristlichen Religionen« u.a.m. aus dem Vatikanum 2 hervorgeht, strebt der Vatikan eine Einheit unter allen Religionen an, an dessen Spitze der Papst stehen soll.

»Die katholische Kirche lehnt nichts von alle dem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist... Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und den in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen, sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen«49

In der Kuppel des Felsendomes der islamischen Moschee auf dem Tempelplatz von Jerusalem steht geschrieben

»Dem Gott, der keinen Sohn hat.«

Gottes Wort sagt uns aber über seinen Sohn Jesus Christus:

»Dies ist mein gelieber Sohn, ihn hört!« (Lukas 9,35).

»Jeder der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht« (2 Johannes 9).

Das berühmte Assisitreffen vom 27. Oktober 1986 liess die ökumenisch Gesinnten vorsichtiger werden.

Mutter Basilea Schlink, Marienschwester Darmstadt, schreibt in ihrem Büchlein: »Frieden um jeden Preis, Assisi 86«:

»So handelt es sich also bei diesem Gebet für den Frieden, das von den verschiedenen Religionsführern vollzogen wurde, um ein Gebet, das sich an eine `Macht über allen menschlichen Kräften´ wendet, in die Götzen und dämonische Mächte einbegriffen sind... Die Heilige Schrift sagt aber: Es gibt nur einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe, einen Gott und Vater aller ...(siehe Eph. 4,5ff)... Und deutlich steht in Psalm 96,5: `Alle Götter der Heiden sind nichtige Götzen.´«50

Muss man Jesus Christus den Vorwurf machen, dass er damals so »stur« und »unnachgiebig« den Willen des Heiligen Vaters (gemeint ist Gott) tat und sich nicht mit den jüdischen, samaritanischen, römischen und griechischen Oberpriestern als Zeichen der anzustrebenden Einheit »fotographieren« liess? Nein, Jesus Christus muss weg, sein Kreuz ist der Welt noch einmal das Ärgernis. Seine Botschaft muss »im Namen Gottes« uminterpretiert werden, um der Welt ein religiöses Schauspiel zu ermöglichen. Sogar Christen sind bereit, den Judaslohn einzukassieren: das Heil in Christus Jesus, die ungeteilte Liebe zu Jesus, dem Gekreuzigten, um mancher irdischer Vorteile und dieses Schauspieles willen, zu verraten!

Wenn Mitglieder solcher Schauspielkirchen gehässig, voller Spott und Zorn auf Christen und die Bibel reagieren oder ganz liebevoll die Bibel von sich schieben oder auch bekennen, dass sie regelmässig in der Bibel lesen, dass sie wiedergeboren sind usw., wir aber sehen, dass sie nicht den Weg Gottes im Gehorsam gehen, dann liegt diesem Verhalten fast immer bewusster Ungehorsam, eine tiefe bis sehr tiefe Unwissenheit und unter Umständen auch eine spiritistisch-okkulte Bindung zugrunde, begleitet von Menschenfurcht.

Diesen Menschen müssen wir mit viel Liebe, Güte und Geduld, aber auch mit der Klarheit des Wortes Gottes begegnen. Wir können sie so zu Jesus und seinem Wort führen. Treten wir im Gebet für sie ein. Helfen wir ihnen, in Gottes Wort selber nachzuprüfen, was Irrtum und was Wahrheit ist. Manchmal fangen solche Menschen guten Willens an, in der Bibel zu lesen, aber es liegt wie eine Finsternis, wie ein Schleier zwischen ihnen und Gottes Wort. Das Wort Gottes spricht sie nicht an, alles bleibt ihnen fremd. Sie sind traurig darüber und machen sich Selbstvorwürfe, wenn sie sehen, wie andere froh leben, wie so viele frei geworden sind von Schuld, Angst und Lebensmüdigkeit und täglich in Gottes Wort lesen und wachsen dürfen.

Solche Menschen brauchen das Gebet der in Jesu Namen versammelten Gemeinde. Da Jesus derselbe ist auch heute, zeigt er im Gebet der betreffenden Person in der versammelten Gemeinde auf, an welcher Schuld oder welchen Bindungen sie leidet und welches das täglich zu tragende Kreuz ist. ER ist der Heiland auch heute.

Gewiss braucht es biblische Unterweisung, aber wenn Priester das bleibende Wort Gottes vor den Karren der vielen päpstlichen Lehrmeinungen spannen, schleicht sich Unlauterkeit ein. Die Lehrmeinungen der Päpste bringen dem Vatikan politisch und wirtschaftlich unvorstellbare Vorteile. Um diese zu bewahren, scheut sich keiner, »im Namen Gottes« Gott und sein Wort fabelhaft zu verleugnen!

Die Bibel interpretiert sich in ihrem Kontext selbst, das muss jeder zugeben, der sich verantwortungsvoll dahintersetzt.

Das neue Kirchenrecht, »gegeben zu Rom am 25. Januar 1983 in den Gebäuden des Vatikans im fünften Jahr Unseres Pontifikats. Johannes Paul II., Papst,«51 lehrt im Can. 762:

»Das Volk Gottes wird an erster Stelle geeint durch das Wort des lebendigen Gottes, das man mit Recht vom Priester verlangt daher haben die geistlichen Amtsträger den Predigtdienst hochzuschätzen es gehört zu ihren hauptsächlichsten Pflichten, allen das Evangelium Gottes zu verkündigen.«

Welch eine Freude, wenn es so wäre! Aber lassen wir uns nicht täuschen, denn im Can. 760 fordert der Papst dazu auf, die Überlieferung, also alle Irr- und Sonderlehren, mitzuschleppen:

»Beim Dienst am Wort, der sich auf Schrift und Überlieferung, auf Liturgie, Lehramt und Leben der Kirche zu stützen hat, ist das Geheimnis Christi vollständig und getreu vorzulegen.«

Der Dienst am Wort muss sich also auch auf die Überlieferung voll und getreu stützen.

Es scheint selbst Millionen von röm.-kath. Mitgliedern unvorstellbar und unfassbar, weswegen sich die vatikanische Hierarchie nicht allein auf die Schrift, auf das Wort Gottes stützen kann und will!

Die Päpste lehnen jede Kritik an der röm.-kath. (scholastischen) Philosophie und Theologie ab. Aber ohne die Hinterfragung dieser menschlichen Traditionen mit all ihren gewaltigen Spekulationen und Irrtümern, die im Mittelalter als Glaubenssätze und Glaubenspraxis in die römische Kirche einflossen, erscheint ein ernsthaftes, fruchtbringendes Studium der Heiligen Schrift sinnlos, weil das eine dem anderen ja weitgehend, wenn nicht vollständig, widerspricht. Bis heute versperren sich die Päpste dieser Realität. Sie rühmen sogar diese Tradition. Sie schneiden so den Ast vom Baum ab, auf dem sie sitzen und glauben dabei, in »heiligem Eifer« Gott einen Dienst zu erweisen. »Im Namen Gottes« aber huldigen sie einem masslosen Menschenkult und häufen religiöse Lasten auf den Buckel des Volkes, von denen Jesus und die Apostel nichts wussten. Darum flieht das Volk die römische Hierarchie!

 

top Römisch-katholisches Mitglied und dennoch wiedergeboren?

Es ist also für einen römischen Katholiken nicht möglich, Jesus Christus allein zu bekennen. Er muss alle Lehren der Päpste, die von Jahrhundert zu Jahrhundert hinzugekommen sind, mitnehmen, akzeptieren und glauben.

Durch seine Mitgliedschaft bestätigt auch jeder römische Katholik, dass er glaubt, dass zum Heile neben der Lehre Jesu und der Apostel auch die 1752 Glaubensgesetze mit ihren Unterabteilungen des Vatikans zum Heile notwendig sind oder zumindest zu beachten sind!

Jesus Christus hat durch sein Wort den Willen des Vaters kundgetan und nichts verschwiegen. Jesus Christus verdient es nicht, dass jemand sich mit dem Mund zu ihm bekennt, aber im Herzen und auch in der Praxis Menschengebote – ja sogar Lehren von Dämonen – unterstützt mit der Begründung, man habe einen Dienst in diesem System zu erfüllen. Dadurch wird der Eindruck erweckt, dass röm.-kath. Mitglieder ja gar nicht so falsch dastehen. Sie werden gehindert, sich mit ungeteiltem Herzen zu Jesus Christus zu bekennen. Wir erweisen ihnen einen schlechten Dienst. Hätten Jesus und seine Jünger mit dieser Begründung unter den jüdischen, samaritanischen, hellenistischen, römischen usw. Glaubensgenossen gelebt, dann hätte das religiöse System der damaligen Zeit sie nicht alle verfolgt und die meisten von ihnen umgebracht.

In weiten Teilen spricht man in der röm.-kath. Kirche von der Bibel, wie die christlichen Kirchen und Gemeinden es tun, aber daneben findet auch vieles Platz und Raum, was widergöttlich ist. Viele röm.-kath. Mitglieder sind verwirrt, weil sie heute auch die Bibel lesen und dabei der Schummelei der Kirche auf die Schliche kommen.

Viele resignierte Mitglieder der römischen Kirche wissen ja nicht, dass sich weltweit alle christlichen Kirchen und Gemeinden, die sich allein auf die Bibel stützen, also keine eigenen Lehren aufbauen, immer mehr finden. Nur eine Umkehr zur Bibel wird die Einheit, von der Jesus in Johannes 17,21 spricht, »damit sie alle eins seien,« hervorbringen. Da braucht es auch keinen Ökumenismus. Denn Ökumene, von der wir seit einigen Jahrzehnten reden, läuft nur darauf hinaus, die Lehren und Satzungen, die jeder im Laufe der Jahrhunderte der Bibel hinzugefügt hat, zu akzeptieren. Die römische Kirche wird und kann gemäss ihren Lehren und Dogmen ihre Meinungen nie zu Gunsten der Bibel aufgeben. Jede ökumenische Kirche schaut auf ihre Lehren und behält das Ihre. Man wagt sogar zu sagen, dass jede ökumenische Kirche in ihren menschlichen Satzungen ein besonderes Charisma (Gabe Gottes) zum Ausdruck bringe und als Beitrag in den Kreis der Ökumene lege. Dies auf Kosten Jesu und seines Wortes!

Alle christlichen Gemeinschaften und Kirchen, die neben der Bibel noch andere Lehren aufstellen, sind nicht in Christus, dienen in Wirklichkeit nicht dem Leib Christi, der Einheit unter den Christen, sondern sich selbst. Das kommt darin zum Ausdruck, dass sie ihren Lehren mehr Gewicht beimessen als Gottes Wort. Sie binden die Menschen an sich und ihre Lehren und erheben Absolutheitsanspruch.

Alle Kirchen, die sich von ökumenischen Bemühungen verleiten lassen, werden mit der Zeit misstrauisch gegeneinander, weil die zahlenmässig stärkere und politisch-wirtschaftlich einflussreichere Institution ihren Absolutheitsanspruch, fromm verpackt, geltend macht. Christen brauchen keine Ökumene. Wenn unter den echten Christen noch nicht in allen biblischen Fragen volle Übereinstimmung herrscht, so handelt es sich in den strittigen Punkten nicht um grundsätzliche Aussagen der Schrift. Die Einheit bewirkt nur Gott durch die Umkehr zu ihm und zu seinem Wort, indem jede Institution Busse tut und aus Liebe zu Jesus Christus, dem unfehlbaren Haupt der Gemeinde zurückkehrt, alles annimmt, was Gott in seinem Recht von den Menschen erwartet, um gerettet zu werden und alles mutig hinauswirft, was nicht zur Bibel gehört. Jesus und die Apostel haben nirgends von einer hierarchisch funktionellen Uniformität als Einheit gesprochen.

Bedenken wir doch, wie der Vatikan mit Gott und den Menschen herumspringt. Bis zum 2. Vatik. Konzil wurden alle Nicht katholiken, auch alle bibeltreuen Christen, von den Päpsten mit dem »Anatema sit«, der sei ausgeschlossen, verdammt, weil man als Mensch nur in und durch die röm.-kath. Kirche in den Himmel gelangen könne und weil jede andere religiöse Überzeugung dem Vatikan widerspreche. Diese Lehre wurde als heilsnotwendig durch alle Jahrhunderte auf den Konzilien gelehrt. Heute werden alle Verdammten von gestern Brüder genannt und vom Vatikan mit weiten Armen willkommen geheissen und an die Brust der neuen ökumenischen Kirche gepresst.

»... die katholische Kirche betrachtet sie als Brüder, in Verehrung und Liebe,«52

betont das 2. Vatik. Konzil,

»und mit Recht werden sie von den Söhnen der katholischen Kirche als Brüder im Herrn anerkannt.«53

Wie ist das möglich? Das 2. Vatikanum bestätigt also, dass sich der Gott der römischen Katholiken mit seinen Päpsten in den früheren Jahrhunderten schrecklich geirrt hat!

Es ist eine raffinierte Taktik, die der Vatikan heute anwendet. Um den Zerfall seines Systems durch den Austritt vieler Mitglieder und die Konversion zu den Freikirchen oder zu den Sekten zu stoppen, werden diese mit schmeichelnden Worten Freunde, ja sogar Brüder genannt.

Damit werden die Christen von ihrem biblischen Sendungsauftrag zurückgehalten und ihr Auftrag wird verwässert. Der Vatikan darf dann erwarten, dass Freunde und Brüder seinen Lehren und Vorstellungen nicht mehr entgegenstehen. Konfrontationen darf es keine geben.

Jünger Jesu zu sein, heisst, tatsächlich nicht über dem Meister stehen, und das ist nun mal im täglichen Leben nicht einfach. Wer liebt schon ständige Konfrontationen, wie Jesus und die Apostel sie um der Wahrheit willen durchstehen mussten?

Manche Vorsitzende und Vertreter von Freikirchen haben es satt, ständig mit dem Vatikan und seinen Vertretern zu streiten.

Je höhere und wichtigere Positionen jemand auch im Glaubensleben einnimmt, umso schneller läuft er Gefahr, Jesus Christus um guter menschlicher Ideen willen zu verraten.

Morgen werden die ökumenischen Kirchen Sklaven des Vatikans und seiner Lehre sein, weil sie die Freiheit in Christus Jesus preisgegeben und sich zur geistlichen Hurerei haben verführen lassen.

Diese obgenannten Aussagen der röm.-kath. Kirche widersprechen seit Kaiser Theodosius der Lehrtradition der Päpste, ebenso der Lehre des 2. Vatikanums im »Dekret über die Religionsfreiheit«:

»Das Vatikanische Konzil erklärt, dass die menschliche Person das Recht auf religiöse Freiheit hat. Diese Freiheit besteht darin, dass alle Menschen frei sein müssen von jedem Zwang sowohl von seiten Einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen, wie jeglicher menschlichen Gewalt, so dass in religiösen Angelegenheiten niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, privat und öffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen – innerhalb der gebührenden Grenzen – nach seinem Gewissen zu handeln. Ferner erklärt das Konzil, das Recht auf religiöse Freiheit sei in Wahrheit auf die Würde der menschlichen Person selbst gegründet, so wie sie durch das geoffenbarte Wort Gottes und durch die Vernunft selbst erkannt wird. Dieses Recht der menschlichen Person auf religiöse Freiheit muss in der rechtlichen Ordnung der Gesellschaft so anerkannt werden, dass es zum bürgerlichen Recht wird.«54

Ich betone noch einmal, dass sich der alleinseligmachende Anspruch der röm.-kath. Kirche nicht verändert hat:

»Denn nur durch die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist, kann man Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben,«55

betont das 2. Vatik. Konzil!

Das neue Kirchenrecht folgt dem, was die Päpste immer schon wollten man bedient sich nur zeitgemässer Methoden!

Wird es eines Tages einen Papst zu Rom geben, der sich zu Jesus Christus bekennen wird mit den Worten: Wir müssen umkehren zur Bibel, zu Gottes Wort! Wir bekennen, dass wir bis heute ein Labyrinth von Sonder- und Irrlehren verbreitet haben und die Menschheit über Jahrhunderte mit Schwert und Blut daran gebunden haben. Wir bekennen, dass wir die Christen über Jahrhunderte grausam verfolgt haben, sie in der Öffentlichkeit als Sekten verschrien, verleumdet haben und stets bemüht waren, sie auszurotten, weil sie unserem System nicht dienen wollten! Lasst uns wie Petrus bei seiner ersten Predigt in Jerusalem wieder das Heil durch Umkehr und Busse predigen, als ihn Tausende fragten, was sollen wir tun?

»Als sie das härten, traf es sie mitten ins Herz, und sie sagten zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, Brüder? Petrus antwortete ihnen: Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen ... Mit noch vielen anderen Worten beschwor und ermahnte er sie: Lasst euch retten aus dieser verdorbenen Generation! Die nun, die sein Wort annahmen, liessen sich taufen. An " , diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa 3000 Menschen hinzugefügt« (Apostelgeschichte 2,37-41).

  Grégor Dalliard

Mit Erlaubniss - EP - 11/2002


 

1  Otto: Sachkunde Religion, Furche/Patmos, S. 128

2 Ebd., S. 128

3 Codex des kanonischen Rechtes, Butzon + Bercker, Geleitwort

4 Ebd., S. XXVII.

5 Katholischer Katechismus, Benziger, S. 3

6 Fischer: Die Apostolischen Väter, Kösel, S. 41

7 Ebd., S. 77

8 Ebd., S. 81+f

9 Ebd., S. 91

10 Ebd., S. 155

11 Ebd., S. 197

12 Ebd., S. 259

13 Ebd., S. 263

14 Becker: Tertullian, Kösel, S. 137

15 White: Der grosse Kampf, Advent, S. 682

16 White, a.a.O., S. 682

17 Uhlmann: Die Lehrentscheidungen Roms im Lichte der Bibel, Telos, S. 11

18 Ebd., S. 11

19 Ebd., S. 11

20 White, a.a.O., S. 682

21 Uhlmann, a.a.O., S. 11

22 White, a.a.O., S. 682

23 Uhlmann, a.a.O., S. 11

24 White. a.a.O., S. 682

25 Uhlmann, a.a.O., S. 11

26 White. a.a.O., S. 682

27 Ebd., S. 708

28 Ebd S 708

29 Ebd., S. 708 ! 343

30 Jedin: Kirchengeschichte, Herder, Bd III/2, S. 542

31 Schweizerische Bibelgesellschaft, 37. Jahrgang, Nr. 1, 1991

32 White, a.a.O., S. 708

33 Neuner-Roos: Der Glaube der Kirche, Pustet, S. 82

34 Ebd., S. 83

35 Ebd., S. 90

36 Rösch: Das Neue Testament, Schöningh, Einleitung

37 Neuner-Roos, a.a.O., S. 54

38 Ebd., Nr. 60, S. 55

39 Ebd., Nr. 66, S. 56

40 Ebd., S. 57

41 Ebd., Nr. 73, S. 59

42 Ebd., Nr. 76-77, S. 60-61

43 Ebd., S. 62

44 Rahner-Vorgrimler, Konzilskompendium, Herder, S. 372

45  Rahner-Vorgrimler, a.a.O., S. 367

46 Ebd., S. 373-374

47 Ebd., S. 372

48 Ebd., S. 372-373

49 Ebd., S. 356-357

50 M. Basilea Schlink, Frieden um jeden Preis, Assisi 86, Verlag Evangelische Marienschwestem, Darmstadt 1988, S. 7

51 Codex des kanonischen Rechtes, a.a.O., Einleitung

52 Rahner-Vorgrimler, a.a.O., S. 232

53 Ebd., S. 232

54 Ebd., S.662-663

55 Ebd., S.223

  ©   Gregor DALLIARD

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